C-Edition

      Um den Stoneman Miriquidi auch 2020 durchführen zu können, haben sich die Veranstalter kurzerhand zu einer Streckenänderung entschlossen. Die Schleife durch tschechisches Territorium wurde durch eine westliche Erweiterung ersetzt:

      "Das Virus hat vieles durcheinander gewirbelt, auch unsere Streckenführung durch Tschechien. 2020 erlebst Du Dein Stoneman Miriquidi Abenteuer einmalig als unvergessliche, innerdeutsche Mountainbike-Challenge – das ist die C-Edition. Mit neuen Trails, mehr Wasser, neuen Ausblicken." (stoneman-miriquidi.com/stoneman-miriquidi-2020-c-edition)

      Ich hätte 2018 Brief und Siegel geschworen, mir diese Tour nicht noch einmal auf Crossskatern zuzumuten. Und tatsächlich plante ich wie im Vorjahr die Runde mit der Frau auf dem Tandem zu absolvieren. Das Tandem steht nun schon seit Wochen in der Werkstatt (Ersatzteile nicht lieferbar!). Die Frau hatte bereits im Vorfeld ihre Bereitschaft, als Tandem-Stoker zur Verfügung zu stehen, zurückgezogen. Ein geeignetes "Einzelfahrrad" besitze ich nicht. Welche Option bleibt? Nur, erneut die Skater unterzuschnallen. :thumbsup:

      "Mehr Wasser" versprach der Veranstalter und meinte damit wohl kaum, dass ergiebige Niederschlänge im Vorfeld die Wege kräftig aufweichen würden.

      Für Freitag war Trockenheit vorhergesagt und Samstag standen die Chancen nicht schlecht, vom abendlichen Gewitter verschont zu bleiben. Also fuhren wir Freitagabend zum Scheibenberg, den ich als besten Startpunkt erachtete, da gleich die erste Etappe mit einer Distanz von 37 km und knapp 1000 Höhenmetern die auf dem Papier Fordernste sein würde.

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      Der Pöhlberg vom Scheibenberg aus

      Samstag 4:20 Uhr rollte ich im ersten Dämmerlicht los.

      Schnell war gewiss, dass es auch dieses Mal kein Zuckerschlecken werden würde. Obwohl tendentiell abfallendes Gelände musste ich auf den ersten Kilometern viel Kraft investieren, um auf den aufgeweichten Feldwegen überhaupt nennenswert Tempo aufzunehmen. Da empfand ich die folgenden 400 Höhenmeter Anstieg hinauf zum Oberbecken des Pumpspeicherwerks von Markersbach auf Aspahlt fast schon als angenehm.
      Runter nach Pöhla dasselbe Drama mit den im lockeren Untergrund versinkenden Reifen. Hinauf nach Rittersgrün holten mich die ersten Mountainbiker ein. Im schottrigen Anstieg hielt ich mit, in der Abfahrt fiel ich dann weit zurück.

      Nach 3,5 Stunden, 37,6 Kilometern und 970 Höhenmetern erwartete mich die Frau zum Frühstück am Rabenberg. Ich gönnte mir eine halbe Stunde Pause.

      Der Miriquidi zieht hier über einen steilen Singletrail gen Erlabrunn. Da dieser auf Crossskates nicht fahrbar ist (2018 trug ich die Skikes), wählte ich den Umweg über die Zufahrtsstraße nach Breitenbrunn und den Radweg hinüber nach Erlabrunn. Die folgenden Waldwege waren besser in Schuss, dennoch baute ich hier schon eine Abkürzung (man kennt sich zum Glück aus) gegenüber dem offiziellen Verlauf ein. Motiviert und gut gelaunt erreichte ich nach 52 Kilometern den zweiten Kontrollpunkt an der Talsperre Sosa.

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      Voll motiviert am Kontrollpunkt Sosa

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      Es geht über die Naturstein(!) Talsperrenmauer

      Hinunter zum Blauenthaler Wasserfall, zwar der höchste in Sachsen aber derzeit trocken, strapazierte nur eine steilere Abfahrt die Waden, sodass ich mehrfach kurz stoppte, um mich vom Bremsen zu erholen. In Richtung Eibenstock erschwerten steile Anstiege und kaum fahrbare Pfadspuren das Vorankommen; ich ließ den Schlenker nach Wolfsgrün aus und sparte gut 2km mit knapp 100Hm ein.

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      "Neue" Trails

      Am Kontrollpunkt wartete die Frau. Ich hielt die Pause dennoch kurz, denn auf den folgenden 10 Kilometern lauert der nächste ernste Anstieg: hinauf zum Auersberg.

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      Da sieht er noch einigermaßen frisch aus

      450 Höhenmeter Anstieg auf 10 km wären human, wenn sie denn gleich verteilt wären. So dümpelt die Strecke aber erst einmal 4 Kilometer weit wellig dahin, bis die Steigung (natürlich garniert mit weichem Untergrund ;( ) merklich anzieht. Auf dem 1019m hohen Gipfel war eine längere Rast vonnöten. Eigentlich hätte die Tour auch zu Ende sein können. Mir ging es gar nicht mehr gut.

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      Das sieht nicht mehr gut aus...

      Die lange Abfahrt verlor durch das anstrengende Bremsen ihren Reiz, ein kurzer Wurzeltrail, dann Schotter, zuletzt eine Forstraße mit ausnahmsweise gut rollendem Untergrund. In Oberjugel nutzte ich die Straße, da der originale Weg durch den Lehmischgrund für mich nicht fahrbar wäre und dank der Grenzöffnung konnte ich auch den Trail auf dem folgenden langen Anstieg durch eine Asphaltvariante im Böhmischen ersetzen.

      Den Quotensturz legte ich beim Überspringen der vierten Wasserrinne hin. Loch in Hose, nichts passiert.

      5. Kontrollpunkt in Rittersgrün. Noch 60 Kilometer. Ich würgte mir etwas zu essen rein, war mir aber nicht sicher, ob der Magen nicht rebellieren würde. Ich bewegte mich im wahrsten Sinne des Wortes an der Kotzgrenze.

      In Tellerhäuser war die Ortsdurchfahrt gesperrt, was das Verkehraufkommen auf der Straße fast vollkommen zum Erliegen brachte und ich den Asphalt nutzen konnte anstatt auf dem parallel führenden Forstweg fahren zu müssen. Mehrfach musste ich verschnaufen, um mich für das nächste, selbst gesteckte Nahziel zu motiveren. Die letzten beiden steilsten Kilometer hinauf zum höchsten Punkt trug ich die Skater.

      Auf dem 1214m hohem Fichtelberg lud ein kalter Sturm kaum zu Verweilen ein. Ich füllte nur Wasser nach und rannte unterhalb des Skilifts gen Tal. Bedrohlich türmten sich die Regenwolken auf; hätten sich die Schleusen jetzt geöffnet, ich wäre wohl in den "Besenwagen" gestiegen. Doch so war ich noch nicht zur Aufgabe bereit.

      Hätte ich gewusst, dass der im Vorjahr noch räudige Forstweg inzwischen ausgebessert worden war, so hätte ich mich gleich auf die Skater gestellt. So aber trug ich sie noch weitere 2 Kilometer, bis ich den Weg weit genug einsehen konnte, um mich in Sicherheit zu wähnen, dass der Untergrund länger fahrbar bleiben würde. Und tatsächlich lief es nun etwas besser; erst im Anstieg zum Bärenstein schnallte ich die Skater ab, deponierte sie unterhalb des letzten Aufschwungs und lief die letzten 500m zu Fuß zum Kontrollpunkt hinauf.

      Noch eine letzte längere Rast. 19.30 Uhr brach ich zum letzten Kontrollpunkt in Richtung Pöhlberg auf. Es überraschte mich selbst, dass ich für die 15 km tatsächlich "nur" 1,5 Stunden benötigte.

      Zurück zum Start. 16 Kilometer noch. Die Nacht war hereingebrochen und im Schein der Stirnlampe fühlte sich die Geschwindigkeit höher an als sie es tatsächlich war. Reichlich zwei Stunden währte die Qual.

      Nach 19 1/2 Stunden brutto (12:50h netto) standen 147,5 Kilometer und 3980 Höhenmeter zu Buche (offiziell 162km und 4100Hm). Immerhin 2,5 Stunden schneller als beim ersten Mal 8o

      Ein drittes Mal wird es das nicht geben (schreibe ich jetzt voller Überzeugung :rolleyes: ).
      Glückwunsch zu dieser unheimlich langen Cross- Skating Tour am Stück.
      Aber der Skike V8 hat zuwenig Bodenfreiheit. Mit dem v9 (egal ob 150er oder 200er) sind vor allem Abfahrten (über Bodenrinnen) kein Problem.
      Achim P

      saxo wrote:

      Glückwunsch zu dieser unheimlich langen Cross- Skating Tour am Stück.

      Danke Achim.

      saxo wrote:


      Aber der Skike V8 hat zuwenig Bodenfreiheit. Mit dem v9 (egal ob 150er oder 200er) sind vor allem Abfahrten (über Bodenrinnen) kein Problem.


      Hierzu ein entschiedenes "Vielleicht!".
      Diese Wasserrinnen (ca. 15cm breite und 10cm tiefe U-Profile) können nur überstiegen oder übersprungen werden. Dort bleibt auch ein 200er grußlos stecken. Ich war halt zu langsam (oder sprang zu früh ab), sodass das Hinterrad in der Rinne landete. Den Schlenker konnte ich dann nicht parieren.

      Für das Gelände wären 200er definitiv ein Vorteil. Ob dieser jedoch den Nachteil des höheren Gewichts aufwiegt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Die 700g Ersparnis des V8 Lift gegenüber des Vx Twin (den ich zuvor fuhr), waren jedenfalls deutlich zu spüren. Auf Langstrecke könnte das doch zu schneller Ermüdung führen.

      Der V8 ist meiner Meinung nach der Skike mit dem robustesten Rahmen. Keine Ahnung, ob das Carbonchassis des V9 diese Steinschläge tolerieren würde, wie der V8 es tut. Wären nach 19.000 km die Gelenkaufnahmen der Fußschalen nicht hoffnungslos ausgeschlagen gewesen, würde ich jetzt noch den ersten V8 fahren...

      Meinen jetzigen V8 Lift habe ich praktisch neuwertig zum halben Neupreis erstanden. Es gibt (zum Glück für mich) auch Menschen, deren Begeisterung für den Sport nicht lange währt und deren Sportgeräte ungenutzt im Keller verstauben... :thumbsup:
      Hallo Schimmerlos

      Eines geht aus dem Bericht klar hervor: du wolltest dir damit nicht nur ordentlich was zumuten, sondern du bist auch noch a bißerl süchtig nach solchen Grenzerfahrungen…gell? …to be continued…! ;)
      Auf jeden Fall eine respektable Leistung, das – aber von dir sind wir ja inzwischen Einiges gewohnt! Und ja: ein bißchen Neid klingt auch durch, denn… ich brächte wohl nicht nur die Strecke an sich nicht schadlos hinter mich, es würde auch an meinem Zeitmanagement scheitern!

      Ob 150er oder 200er für sowas besser sind, ist tatsächlich eine persönliche Abwägung: je nachdem wie man die Vor- und Nachteile bewertet. Bodenfreiheit ist für mich z.B. sehr wichtig (ich würde die Räder beim V8/V9 mindestens ins mittlere, wenn nicht ins untere Achsloch versetzen) und sicher ebenso die bessere Überwindung der Bodenwidrigkeiten bei den 8“ern, aber auch Masse spielt auf diese Dauer eine große Rolle.
      Ich hab mit meinen Dreiachsern die für mich idealen 3D-Gelände-Skates, als 150er wie auch als 200er.

      Das mit den Jumps über die Regenablauf-Rinnen kenne ich nur zu gut – und ich hab damit auch schon ebensolche „Bruchlandungen“ hingelegt! Vom Tiroler Vorder-Unnütz runter vor etwa 12 Jahren auf Skike V07 waren es gefühlte 500 Hupferer, die zum Schluß hin nur noch zunehmend unachtsame Entlastungen waren – mit entsprechendem Risiko. Diese Abfahrt hab ich in schlechter Erinnerung, denn ich konnte sie nicht als solche genießen.

      Laß uns weiterhin teilhaben an deinen Touren :thumbsup:

      Servus
      Hubert
      kNightSkater
      nix muaß - ois ko'

      KnightSkater wrote:

      Und ja: ein bißchen Neid klingt auch durch, denn… ich brächte wohl nicht nur die Strecke an sich nicht schadlos hinter mich, es würde auch an meinem Zeitmanagement scheitern!


      Was spricht dagegen, den Stoneman als 2- oder 3-Tages-Tour (mit Übernachtung) zu versuchen? Auf Wunsch wird vom Veranstalter sogar das Gepäck transportiert. Und eine wunderschöne Ecke ist das Erzgebirge garantiert!

      Grüße
      Thomas