Nordic Cross-Skating Forum - Skike - Powerslide  
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Alt 02.01.2009, 18:03
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Blinzeln Skikes: Meine ersten Erfahrungen

Kurz vor Weihnachten sah ich beim Joggen einen Rollski-Läufer ? auf einem normalen Sandweg. Da ich schon seit Jahren auf so eine Trainingsmöglichkeit als Abwechslung zum Joggen wartete, recherchierte ich kurz im Internet und stieß auf die ?Skikes? (doofer Name, aber was soll's). Kurzerhand wurden die Teile angeschafft.

Hier ein Bericht über meine ersten Erfahrungen (der Übersichtlichkeit halber tageweise verteilt auf Einzelbeiträge):
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Alt 02.01.2009, 18:05
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Blinzeln 1. Tag

Bedienungsanleitung durchgelesen, Einstellungen vorgenommen - ab geht?s also in den nahen Park. Um mich nicht gleich in aller Öffentlichkeit zum Deppen zu machen, laufe ich zu Fuß und trage die Skikes in der Hand. Vor Ort werden die Sportgeräte untergeschnallt, und los. Leider sind überall Spaziergänger, die mich ungläubig beäugen.

Da ich mich auf (Alpin-)Skiern sehr wohl fühle, ist wenigstens das Gleichgewicht kein Problem. Schon nach wenigen Metern stelle ich aber fest, dass ich fast am Boden festklebe, obwohl die Sandwege übergefroren und sehr hart sind. Ich sehe aber: Die Luftreifen geben bedenklich nach. Also die Miniluftpumpe, die ich zum Glück eingesteckt hatte, herausgeholt und die Reifen weiter aufgepumpt.

Schon geht es besser. Jetzt drehe ich einige Runden, kreuz und quer durch den Park. Gleiches Gefühl wie beim Schlittschuhschritt auf Alpin- oder Langlaufskiern, auch wenn ich letzteres nur ein- oder zweimal gemacht habe. Die Bewegung macht Spaß und ist eigentlich nicht so richtig anstrengend, aber ich komme trotzdem aus der Puste und ins Schwitzen, obwohl ich eigentlich ganz gut trainiert sein sollte.

In einigem Abstand vor mir ein biegt ein Jogger ein, der augenscheinlich in recht moderater Geschwindigkeit unterwegs ist. Interessant für einen ersten Geschwindigkeitsvergleich. Dieser fällt allerdings fatal aus, denn der Abstand zwischen uns bleibt absolut gleich, obwohl ich anstrengungsmäßig ersichtlich einen höheren Aufwand betreibe als er. Natürlich ginge es bei mir noch schneller, aber auch der Jogger läuft ja gemäßigt.

Nach etwa einer halben Stunde und einem halben Dutzend Beinahe-Zwischenfällen mit kläffenden Hunden beende ich meine Runden, einerseits euphorisiert von der schönen Bewegung, wegen der geringen Geschwindigkeit aber auch etwas demoralisiert.

Aus einem Auto heraus zeigt mir ein vorbeifahrender Wichtigtuer einen Vogel...

Nachmittags geht?s zur Tankstelle, denn das Schneckentempo kann ja eigentlich nur an einem nach wie vor zu geringen Reifendruck liegen.
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Geändert von herminator (18.02.2009 um 17:07 Uhr)
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Alt 02.01.2009, 18:07
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Blinzeln 2. Tag

Heute will ich genauer wissen, was es mit Geschwindigkeit und Anstrengung auf sich hat. Ich werde daher genauestens meine alltägliche Laufstrecke abfahren. Außerdem wird eine neue Batterie in meine Pulsuhr ein- und der Brustgurt umgelegt.

Schon das erste Stück zum Park auf Asphalt zeigt, dass sich das Aufpumpen der Reifen gelohnt hat ? sie sind jetzt steinhart und lassen auf verbessertes Rollen auch auf Sandwegen hoffen.

Schon nach wenigen Metern ist mein Puls allerdings auf 170, und das, obwohl ich mich doch nur locker einfahre und die Geschwindigkeit nun wirklich nicht hoch ist.

Weil ich (auch beim Joggen) strikt im aeroben Bereich trainieren möchte, will ich meine persönliche Grenze von ca. 155 Schlägen in der Minute eigentlich nicht überschreiben. Andererseits sagt mir mein Ehrgeiz, dass ich als Exot inmitten all der Jogger und Walker keinesfalls der Langsamste sein sollte.

Also wähle ich auf den (nach wie vor gefrorenen) Sandwegen des Parks ein Tempo, dass gefühlsmäßig einen Kompromiss darstellt: Ich bewege mich schneller als Schneckentempo, dafür aber angestrengter als normalerweise beim Joggen. Schon in der Nase spüre ich jedoch die Muskelsäure, und richtig, der Pulsmesser steht kontinuierlich auf über 180.

Macht nichts, ich fühle mich ja total gut dabei (was beim Laufen in dem Tempo sicherlich anders wäre, zumindest über längere Zeit). Der hohe Puls scheint vor allem durch die Armbewegungen beim Stockeinsatz zu kommen, anscheinend werkelt der Organismus hier auf unterschiedlichen ?Anstrengungsebenen? (Oberkörper, Beine).

Ein Glück, dass sich der hohe Aufwand, den ich betreibe, einigermaßen lohnt. Alle Jogger werden nach und nach überholt. Gefühlsmäßig geht es für den Krafteinsatz aber immer noch viel zu langsam voran, der Überholvorgang dauert ewig, und mit einem zügigeren Läufer könnte ich sicherlich nicht mithalten.

Zum Glück weiß ja keiner, was meine Pulsuhr anzeigt, und durch die langärmelige Winterbekleidung wird verdeckt, wie mir der Schweiß am Körper hinunterrinnt.

Die belustigten Blicke der Spaziergänger ignoriere ich souverän. Ein Glück, dass Winter ist, so mögen sie annehmen, dass ich für irgendein Rennen in den Alpen trainiere.

Recht hart wird allerdings der (in Laufschuhen irgendwie noch nie als solcher wahrgenommene) ?Anstieg? am Ende der Runde.

Dann ist es geschafft. Gespannt schalte ich um auf die Stoppuhrfunktion und stelle fest, dass ich ?immerhin? ca. eine Minute schneller war, als bei einer Jogging-Runde. Das aber auch nur um den Preis eines um immerhin 35 Schläge erhöhten Durchschnittspulses (180 gegenüber 145)!

Andererseits muss ich sagen: Ich fühle mich beleibe nicht so erschöpft (nämlich eigentlich gar nicht richtig), wie ich mich anhand der Pulsbelastung eigentlich fühlen müsste. Und der Spaß war so groß, dass ich mich schon auf die nächste Runde freue.
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Alt 02.01.2009, 18:09
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Blinzeln 3. Tag

Für heute habe ich mir fest vorgenommen, mich nicht von meinem Stolz leiten zu lassen, und konsequent im aeroben Bereich zu bleiben (also unter Puls, sagen wir mal, 155). Mal schauen, ob das überhaupt geht.

Schon auf der Aphaltstrecke zum Park merke ich, dass das wohl nichts wird. Auch ohne Stockeinsatz und mit kraftschonender Beinarbeit bin ich gleich auf über 160!

Also wird ein weiteres Mal der Vorsatz abgeändert, diesmal in: ?So schonend wie möglich.? Aber: Noch langsamer wäre gleichbedeutend mit Stehenbleiben.

Jetzt heißt es hart sein und das eigene Ego vollkommen ausschalten. Trotz eines Pulses von 165 (was einem richtig schön verschärften Lauf entsprechen würde), krieche ich gerade einmal durch den Park. Ich bewege mich geschwindigkeitsmäßig gerade einmal jenseits der langsamsten Joggerinnen. Wenigstens die Walkerinnen bleiben hinter mir, aber auch nur, wenn sie nicht ihre an sich vorgeschriebenen 120 Schrittchen pro Minute machen, sondern einen Kaffeeklatsch in Sportkleidung abhalten.

Ergebnis am Ende der Runde: Durchschnittspuls ca. 165 Schläge pro Minute, Gesamtzeit ca. drei Minuten länger als beim ruhigen Joggen mit Puls 145 (35:30 min gegenüber 32:30 min).

Ich wage nicht, mir vorzustellen, wie es sein wird, wenn der Frostboden erst einmal taut und die Wege weicher werden...
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Alt 02.01.2009, 18:14
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Daumen hoch Fazit

Pro
  • Die Bewegungsabläufe machen viel Spaß.
  • Der Oberkörper, der beim Joggen zu kurz kommt, wird angenehm beansprucht.
  • Die Belastung wird nicht als so anstrengend empfunden, wie dies nach der Pulsmessung eigentlich der Fall sein müsste.

Contra
  • Trainig im aeroben Bereich scheint nicht möglich zu sein, der Puls schießt sofort in anaerobe Bereiche.
  • Man ist real sehr langsam unterwegs.
  • Man macht sich in der Öffentlichkeit ganz schön zum Affen, weil man trotz der seltsamen und aufwendigen Ausrüstung gerade einmal gemäßigtes Jogging-Tempo erreicht.

Auf keinen Fall vergessen: An der Tankstelle (!) die Reifen aufzupumpen, und zwar so fest wie irgend möglich!


(Anm. 18.02.2009: Das Contra und der Tankstellen-Hinweis sind überholt, siehe bei der Fortsetzung weiter unten!)
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Geändert von herminator (19.02.2009 um 10:09 Uhr) Grund: Teile des Beitrags als "überholt" gekennzeichnet und auf die Fortsetzung verwiesen
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Alt 02.01.2009, 19:11
Benutzerbild von Frank Röder
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Hallo Herminator,

ein toller Bericht, der sehr deutlich zeigt, wie es uns allen am Anfang erging ("faszinierte Verblüffung") - vielen Dank dafür!
Tempo und Anstrengung sind auch ein Frage der Techink, die mit der Zeit noch wesentlich ökonomischer wird. Auf weichem Waldboden müssen wir uns wohl damit abfinden den schnellen Läufern unterlegen zu sein. Aber nicht allzu viel und auch hier bringt eine spezielle Cross-Technik enorm viel.
Mit den "Bealstungsebenen" hast du einen schönen Begriff benutzt. Die Ebene der als erschöpfend empfundenen Anstrengung wird nämlich kaum erreicht. Und keine Angst, beim Cross-Skating gelten etwas andere Regeln was Training und Trainingslehre betrifft. Derzeit wird zwar noch an vielen Stellen versucht durch krampfhaftes Kopieren von Wissen aus anderen Spoartarten, diese neue Sportart mit Know-How zu versorgen, aber es steht schon jetzt so gut wie fest, dass das nicht zufriedenstellend gehen wird. Dieser Sport ist eichfach anders, darauf deuten zahlreiche Indizien hin (an umfangreichen Beweisen und Untersuchungen mangelt es leider noch).
Folgende Tendenzen sind für mich aber eindeutig: Beim Cross-Sakting ist ...
- ...die Regenerationszeit extrem kurz (ähnlich Schwimmen)
- ...die orthopädische Belastung der Beine geringer als beim Inlineskaten und Skiskating (etwas andere Arbeitswinkel)
- ... die orthopädische und muskuläre Belastung der Arme höher als beim Skiskating und beim Schwimmen
- ... der Übergang zwischen verschiedenen Belastungszonen (Pulsbereiche) viel fließender als z.B. beim Laufen.
- ... alle Pulsbereiche (Training, Wettkampf, Maximalpuls) höher anzusetzen
- ... das Fettstoffwechseltraining wegen der hohen Gesamtbelastung ebenfalls auch in deutlich höheren Pulsbereichen noch wirksam
- ... die anearobe Schwelle mit den verhältnismäßig niederigen Pulswerten anderer Sportarten nicht zu vergleichen, bzw. die Diagnostik hinkt, weil höhere Milchsäurewerte über längere Zeit ohne negative Auswirkung ertragen werden können.
(eine Folge der letzten Punktes ist, der, dass die Puffersysteme der Körpers traininert werden höhere Milchsäurewerte abzufangen, was die klassische Lactatdiagnostik erheblich verfälschen kann).

Kurz: Es ist alles anders, aber da dadurch auch kaum Probleme auftauchen, kann man diesen Sport durchaus etwas "planloser" als andere Ausdauersportarten betreiben, also weniger mit ständigem Blick auf irgendwelche Messegräte.

Viel Spaß weiterhin!
Frank
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Alt 02.01.2009, 23:17
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Hallo herminator,

da hast Du einige schöne Beiträge geschrieben und ich kann mich Frank nur anschließen, alles wird mit der Zeit besser.
Allerdings wird es dazu einige km dauern, vielleicht nach 1.000 sieht das ganz anders aus.

Über die Themen Puls, Belastung, Geschwindigkeit usw. findest Du hier sehr viel.

Schau bitte mal hier meine Tabelle an, dann kannst Du sehen, was mit Training und der Cross-Skating Technik alles möglich ist.
http://forum.cross-skating.com/6842-post5.html

Eine Bitte habe ich.
Gebe doch bitte Deine Pulswerte in % vom MHR an, dann können wir das besser miteinander vergleichen.
Solltest Du Deinen Maximalpuls ( MHR ) nicht kennen, dann verrate uns entweder Dein Alter oder rechne es nach der Altersformel aus >>> für Männer 220 minus Lebensalter = MHR.

Im Moment diskutieren wir hier http://forum.cross-skating.com/7024-post38.html gerade auch andere Puls-Berechnungsmethoden.

Doch, für den Anfang gibt die Altersformel schon mal einen guten Überblick.
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Alt 04.01.2009, 23:03
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Standard Reifentest (Vor+Nachteile)

Hallo, ich weiß nicht, ob der Beitrag jemandem hier weiterhilft,
ein Versuch ist es aber (denke ich) wert.

Vor ein paar Wochen bin ich günstig an Vollgummirollen
(15cm Durchm.) gekommen.
Ok... dachte ich mir für den Preis, was soll`s und habe
mir vier Stück angeschafft.

Testergebnis fahren mit vier Kunststoffrollen:
Vorteile:
- keinerlei Reifendefekte
- sehr "handlich" zu fahren
- schnelles fahren auf Asphalt möglich
(mit Stockeinsatz hängt man sogar Fahrradfahrer ab)
- sehr lange Gleitphasen möglich

Nachteile:
- schlechte Crosstauglichkeit
- schlechtes Bremsverhalten
- geringerer Grip bei nasser Fahrbahn
- geringerer Kraftaufwand > "schlaffes Trainingsergebnis"

Testergebnis fahren mit Kunststoffrollen vorn und Roadstar
Luftreifen hinten (also gemischt)
Vorteile:
- Mit dieser Konfiguration habe ich meine ständige Kipperei
nach rechts oder links aussen wegtrainiert
! super Gleichgewichtstraining !
(Bin aktuell wieder auf Luftreifen - gute Vergleichmöglichkeit)
- gute Bremseigenschaften (wie sonst bei Luftreifen auch > logisch)
- Ein Mix im Rollwiderstand > ganz ordentlicher Trainingseffekt
mit zufriedenstellender Geschwindigkeit
- lange Gleitphase sehr gut trainierbar
(tue mir jetzt komplett auf Luftreifen erheblich leichter)
- Fahren im Nassen kein Problem
- 50% weniger Gefahr von Reifendefekten

Nachteile:
- sieht bescheuert aus (mir aber egal, mir gehts ums Training)
- eingeschränkte Crosstauglichkeit
(Äste und kleine Steine sind aber kein Problem)

Teste weiter..........

Michael
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  #9 (permalink)  
Alt 05.01.2009, 10:22
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Interessanter Test!
So etwas kann die Entwicklung nur voranbringen.
Meine persönliche Pannenstatistik ist seit Spätsommer 2008 von "alle 2000 km" auf "alle 1300 km" gesunken. Bei mir zerlegt es die Mäntel genau so wie bei euch.

Frank
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  #10 (permalink)  
Alt 05.01.2009, 10:24
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Hallo Michael,

alleine der Versuch einer Mischbereifung war Deinen Bericht wert - solche Experimente und die daraus gewonnenen Erfahrungen helfen oft in Bereichen weiter, für die sie gar nicht gedacht waren
(Problem mit Reifenplatzern zwar nicht behoben, aber neue Bewegungsaufgaben / Lernwege durch anderes Fahrwerk gefunden).

Find ich interessant.

Mirko
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www.mfsport.de

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