Skiken - Gelenkschonend?

      Skiken - Gelenkschonend?

      Hallo,
      vor kurzem habe ich im Wald zwei Leute mit diesen Rollbrettern an den Füssen gesehen - und bin nun hier gelandet.
      Eigentlich fahre ich Rad und laufe. Nicht extrem, aber regelmässig und sportbetont. Jetzt habe ich, 46, eine Hüft-OP vor mir wegen eines sogenannten Impingements. Eigentlich sollte man damit, wenn Alles klappt, auch nach der OP wieder rennen können. Aber ich dachte mir vielleicht doch eine gelenkschonendere Sportart zu suchen, nämlich das skiken.
      Meine Frage also: Ist das skiken gelenkschonender als Laufsport? Und gibt es anderswo im Körper Überlastungen?

      Besten Gruss
      Tomm

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      Hallo Tomm,

      rein physikalisch ist die Beanspruchung beim Skaten wesentlich geringer als beim Laufen, da man deutlich geringere Höhendifferenzen des Körperschwerpunktes (Stauchungen) ausgleichen muss.
      Man darf aber nicht vergessen, dass die meisten Menschen mit Füßen und nicht mit Rollen geboren werden, was widerum das Laufen zur natürlichen Bewegungsform unserer Art macht. Wissenschaftliche Unersuchungen zu diesem Thema gibt es keine, bzw. keine, die diese These unterstützen.

      Für mich stellt sich die Frage, ob man seinen Körper immer schonen muss. Training bedeutet Belastung, und der Körper reagiert mit einer Stärkung. Und diese Stärkung betrifft nicht nur Muskulatur, sondern alle Strukturen im Körper.
      Nichtstun, was auch eine Art Schonung ist, sorgt für geringere Widerstandskraft, Schwäche, Übergewicht usw. (die Liste ist lang)

      Anlass für mich mal wieder etwas zu schreiben ist aber deine bevorstehende OP. Die Erfahrungen meinerseits mit Impingement-OP´s an Hüftgelenken sind nicht besonders gut. Ich habe noch keinen Patienten gehabt, der nach dieser OP weniger Probleme hatte als vorher. Ein Hüftimpingement ist sehr sehr selten. Die echten sind postoperativ gut, aber die anderen sch.... . Böse Zungen behaupten, dass v.a. ambulante Praxen merken, dass man nur mit Knieoperationen nicht mehr so viel verdienen kann, da das schon so viele machen.

      Ich kann die nur empfehlen, dich einem anderen Arzt oder einem qualifizierten Physiotherapeuten vorzustellen. Manchmal ist die Lösung ziemlich banal.


      P.S. Cross-Skaten ist aber ziemlich genial. Ich will dich nicht davon abhalten.
      Hallo Knochengeiger

      Interessante, differenzierte These – mal ganz anders als das pauschale “yes… Gelenkschonung: super!”. Und ich erkenne auch Deine fundierte Kompetenz – wer "hat" schon Patienten.
      Daher stelle ich meine Anmerkungen mal lieber als Fragen denn als Aber’s - und hoffe, dabei nicht anmassend zu wirken…

      Vorab ist schon mal keine Frage, daß ein nicht ganz so ergonomisch günstiger Sport immer noch besser ist als gar keiner oder der, der den Rumpf und die (Bierflaschen und Zigaretten haltenden) Gliedmaßen gänzlich bypasst und (tele-)visuell direkt ins Sehzentrum des „sportlich interessierten“ Hirns dringt. Sportliche Bewegung bei ordentlicher Beanspruchung in sinnvollen Intervallen ist als Mittel zur Stärkung der Widerstandskraft und Kreislauf-Katalysator ebenfalls unbestritten wichtig und wirkt abhärtend, da der Körper stets versucht, sich für die regelmäßig gestellten Anforderungen zu wappnen. Das ist sowas wie Micro-Evolution im kleinen, lebenszeitbezogenen Rahmen – diese auto-tuning-Option stellt die Natur so auch jedem Einzelnen von uns bereit. Danke, lieber Gott - ich nutz(t)e sie gerne! :D

      Das paßt für den jungen Organismus alles wunderbar… aber wie verhält sich das für Tomm und uns alle, die bereits in der rustikalen Phase ihrer Jugend sind? Sollten wir nicht auch berücksichtigen, daß wir Menschen uns seit unserer Aufrichtung deutlich aus der uns ursprünglich zugedachten „Lebenszeit“ durch diverse Verlängerungsmaßnahmen hinausgemogelt haben – als einzige Spezies auf dieser Erde? Unsere moderne Medizin fängt auch sicher einen Großteil der daraus resultierenden Haltbarkeits-Defizite unserer Organe, Gelenke, Zähne, etc…, die ursprünglich auf etwa die Hälfte der Funktionsdauer ausgelegt waren, auf. Zudem wurden aus den gewonnenen Erkenntnissen über Schwachstellen im Organismus auch wirksame Präventionsmaßnahmen generiert. Alles schön, aber… haben wir ALLES anpassen können? Ich meine einfach, daß das gezielte Hochtreiben der Belastbarkeit des gesamten Bewegungsapparates einschließlich seiner Versorgung ab etwa der heutigen Lebensmitte mit einem erhöhten Risiko verbunden ist - z.B. von schleichenden Schädigungen, die dann erst im Senium ihre Verschleißauswirkung zeigen. Gehört das nicht auch in die Abwägung bei der Auswahl des Fitnessports?

      Des Weiteren ist das Laufen zwar zweifellos die natürliche Bewegungsform unserer Art, aber hinsichtlich der natürlichen Belastbarkeit doch wohl nicht über Stunden und Kilometer (und vielleicht auch noch über Kunstboden), sondern ursprünglich doch nur zum Angriff, zur Flucht… und kurzzeitig, oder irre ich mich da? Und wer weiß, ob die anatomische Voraussetzung für die Laufleistung des Homo Erectus überhaupt an die seiner Vorgänger rankam? Wenn Affen aus dem zweibeinigen Stand loslaufen müssen, tun sie das ganz selbstverständlich vierbeinig!

      Daher würde ich als ein vor 7 Jahren knieoperierter und danach unmittelbar auf NCS als Fitness-Programm umgesattelter Trieb-Sportler jedem, der sich Gedanken um eine spät-jugendliche Körperbelastung macht, aus Überzeugung die schonendere Disziplin empfehlen, wenn sie annähernd dieselben positiven Effekte hat wie die aufreibende.
      Gibt’s noch jemanden, der nicht unbedingt in den Garten der Harten kommen muß?

      Hubert
      Ü50-Jugend :rolleyes:
      KnightSkater

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      KnightSkiker schrieb:


      Daher stelle ich meine Anmerkungen mal lieber als Fragen denn als Aber’s - und hoffe, dabei nicht anmassend zu wirken…

      keine Sorge...


      Für mich persönlich stellt sich die Frage, ob das Laufen die Gelenke generell schädigt, oder nicht davor schützt, schneller krachen zu gehen. Der Standart-Läufer sitzt über 10 Stunden am Tag (Büro, Auto, Essen, vorm Fernseher bis hin zur Toilette) und läuft ca. 30 Minuten am Tag. Die Haltung verursacht nicht nur Beschwerden im Rücken sondern auch in den Gelenken. Und wenn man dann mit einem nicht-optimalen Bewegungsapparat losläuft, sind Schmerzen nahezu vorprogrammiert. Die Verhältnismäßigkeiten sind so verteilt, dass man dem Laufen nicht so viel Gewicht in puncto Schmerzursache geben sollte.

      Typischerweise haben Patienten mit Gelenkbeschwerden Anlaufschwierigkeiten nach langem Sitzen. Diese können sie anfangs weglaufen. Sollten die Zustände sich im Gelenk weiterhin verschlechtern, ist es auch problematischer, diese wegzubekommen. Dann stellt sich die Frage der Therapie. Aber eine Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität sollte im Vordergrund stehen, ob konservativ oder operativ herbeigeführt ist dann Aufgabe der Ärzte und Therapeuten.

      Zu Gelenkerkrankungen gibt es jede Menge zu sagen. Ernährung ist ein weiteres wichtiges Feld. Die Übersäuerung des Körpers ist kein Segen für unsere Organe und Gelenke. Aber da bin ich jetzt kein besonders guter Ansprechpartner.

      Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass man sich bewegen soll. Cross Skaten ist mit Sicherheit etwas sehr gesundes. Und wenn jemand nicht mehr joggen kann, dafür aber bis ins hohe Alter skatet, hat er alles richtig gemacht.
      Wenn Tomm ein Läufer aus Leib und Seele ist, dann wird er auch weiterhin laufen, bzw. alles daran setzen, es wieder zu schaffen. Wenn nicht, dann hat er mit diesem Sport hier eine sehr gelungene Alternative.

      Nochmal: Die wissenschaftlichen Faktenlage ist recht dünn. Die obigen Dinge sind hauptsächlich persönliche Erfahrungen kombiniert mit gefährlichem Halbwissen.:p
      Nur wer nachts sich auf Skates im Walde die Berge herabstürzt, hat mehr Anspruch auf den "Garten der Harten" als jeder Mittwochsläufer...

      MfG
      Hallo,
      und danke für die differenzierten Erfahrungen.
      Nach dem kleinen Exkurs zu "wo wir Menschen eigentlich her kommen" und etwas querlesen im Forum denke ich, dass es Sinn macht, mit einem Trainer/Kurs anzufangen um fest stellen zu können, ob dieser Sport was für mich ist. Hinsichtlich Bewegungsablauf/Belastung/Spass/Laufalternative/etc..

      Zur OP: Es ist ein CAM-Impingement, was man auch deutlich auf dem MRT sieht. Da stößt der Oberschenkelknochen bei bestimmten Bewegungen an der Pfanne an, in der er sitzt. Ich hatte vorher schon konservativ (Physiotherapeut) versucht dem beizukommen, aber wo ein Widerstand ist, stösst der offensichlich nun mal an. Dieser muss minimalinvasiv weggefräst werden. Ich bin da in einer Klinik, wo im Jahr um die 300 HüftOP´s gemacht werden bei einem sehr erfahrenen Oberarzt. Drauf´ geguckt haben dort insgesamt 5 Ärzte - Hüftspezialisten und Radiologen. Grundlage ist ein MRT mit Kontrastmittel sowie Röntgenaufnahmen. Ließe man es nicht machen, wäre durch das ständige Anstossen des/r Knochens, selbst beim normalen gehen, über kurz oder lang eine Arthrose die Folge.
      Ich hole mir allerdings noch eine "Zweitmeinung" in einer externen Orthopädiepraxis.

      Hmmm´- ging jetzt fast mehr um die OP als um´s skiken - ich bin zuversichtlich, das ich nach der OP und Regeneration wieder auf´s Rad und laufen kann - abzulösen vielleicht vom skiken. Das wäre echt klasse.

      Besten Dank und Gruss
      Tomm
      Servus Tomm

      Nun, es ging eigentlich um die Frage, inwieweit “Gelenkschonung” aus sport-ergonomischer Sicht für den Bewegungsapparat sinnvoll ist – es soll ja auch eine herausfordernde Beanspruchung bleiben, die die von Knochengeiger beschriebenen positiven Effekte für den Körper hat. Ungeachtet dieser Diskussion fällt die Abwägung aber sowieso individuell unterschiedlich aus, denn wer z.B. dem Laufen oder Radeln verfallen ist, der wird immer dazu neigen… solange es irgendwie geht.
      Was mich betrifft: mal abgesehen von dem bißchen „nächtlichen ;) CrossInlineDownhill“ - mich bringt z.B. in Sachen Ski vorerst auch nichts weg von den Buckelpisten hin zu den plattgewalzten Autobahnen (zumal ordentliches Carving für die Gelenke sogar belastender sein kann als saubere Buckel-Technik). Nach meiner beidseitigen Knie-OP 2006 etwa in Deinem Alter verabschiedete mich der Arzt mit den Worten „Sie sollten sich überlegen, was an Sport noch sein muß!“ – diese Aussage nehme ich ihm heute noch übel, denn ich fiel mental in ein bodenlos tiefes Loch: Wasserski, Ski, Skwal… alles Ende? Nein! Also nach Heilung sofortiger Aufbau mittels NordicBlading mit anfangs 100% Arm- und 0% Beinschub, sukzessive steigernd auf volle Kraft innerhalb von wenigen Wochen, dann gleich auf Cross umgesattelt und… 2007 war dann „mein Jahr“ bei der SenDM im Wasserski Slalom - und alpines Buckeln geht seit den nebenbei neu ausgerichteten Kniescheiben gleich noch besser. Hab grad wieder ein 4-Tage-BuckelCamp absolviert und zehre immer noch davon (will sagen: meine Oberschenkel lassen NCS einfach noch nicht zu :p).
      Sport hat eben Sucht-Potential, wenn man „sein Ding“ mal gefunden hat. Die Frage nach der (möglichst nicht Kick und Spaß bremsenden) Schonung – und der lästigen Protektion – stellt sich da meist eher sekundär, sollte aber unbedingt für sich beantwortet werden!

      Und zu Deiner OP: ich wünsche Dir dasselbe Glück, bestmöglichen Verlauf und optimales Resultat, sofern Du Dich dazu entscheidest - andere Erfahrungen und Bedenken sind immer auch ernstzunehmen!
      Und danach per Kursus NCS als Alternative (oder Ergänzung) zum Laufen auszutesten ist ein gescheiter Plan!

      Hubert
      OP-timierter Ganzjahres-Skifahrer
      KnightSkater

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