Fährste Bahn, lernste fürs Leben

      ... mit integriertem Flaschenöffner, soso. Ich sehe mich schon pfeifend und hüftschwingend Eure Biere öffnen. Und die besondere Herausforderung ist, dass ich das auf Rollen mache. Hab' ich ein Glück, dass der Limbo nicht brasilianisch ist... *schweißabwisch* :)

      Liebe Grüße, Suzy

      Die Bahn macht... müde?!

      Als wir uns am gestrigen frühen Sonntagabend am Bahnhof Südkreuz von den weiterfahrenden Nordlichtern verabschiedeten, sagte Susie gerade noch in die Runde, dass sie ja eigentlich nicht mehr mitkommen dürfte, weil es dann hier nichts zu berichten gäbe...

      Nun ja. ... Samstag. Hinfahrt. Abfahrt 8:53 Uhr. Keine nennenswerten Ereignisse im EC 173 nach Dresden, obwohl, doch. Muss man ja auch mal lobend erwähnen: Die WC's funktionierten und sahen auch nach längerer Zeit noch zivilisiert sauber aus. Klar. In Ermangelung von Toilettenbürsten muss man schon mal den einen oder anderen Abstrich... also Klecks... machen, aber wir Frauen sind ja meistens so sportlich und geschickt unterwegs, dass wir wissen, wie wir damit umzugehen haben, ne Mädels? Ihr wisst, was ich meine. Ansonsten hatten wir schnell und ohne Platzreservierung einen recht leeren Waggon gefunden und zwei recht lebendige nicht reservierte Plätze (direkt neben dem Fahrradplatz) ergattert. Das Gepäck hatte sogar neben uns noch Platz, ohne dass sich die Leute in den Rucksackschlaufen verheddern konnten, wenn sie durch die halbautomatische Tür neben uns gehen wollten.

      Ich hatte übrigens wieder etwas gelernt, durch Beobachtung: Eben diese halbautomatische Tür ist ziemlich schwer zu händeln, also nur mit erhöhtem Kraftaufwand zu öffnen, wenn man nicht vorher dem Bewegungsmelder oberhalb der Tür zu verstehen gibt, dass man passieren möchte. Also... kurz mit der Hand vor dessen Sensor gewedelt und schwupps geht die Tür gleich sehr viel leichter, schneller und vor allem automatisch auf. Da muss man ja erst einmal darauf kommen, dass solch' eine alte Kiste mit Türschiebegriff auch über ein Sensorsystem verfügt. War zu Zeiten des Baujahrs vermutlich stark fortschrittlich.

      Interessant war auch, fällt mir gerade so ein, dass sich sogar nach einer Stunde Fahrzeit immer noch Leute in diesem Wagen niederließen. Und ich meine damit nicht zusteigende Leute... nein nein... wir hatten gar keinen Halt zwischen Berlin und Dresden. Da stieg niemand mehr zu. Da denkt man, dass man nach ca. zehn Minuten Sitzen seine Ruhe hat und muss dann aber feststellen, dass das ein Irrtum war. Nach und nach kamen sie, die jungen Leute (18+). Erst steckten sie die Nase in unseren Waggon und hielten Ausschau, befanden ihn meistens für gut, gingen wieder, um sogleich mit ihrem fast überdimensionalen Gepäck wiederzukommen. Also, selbst dösen war nicht möglich, was aber auch bei einer Fahrzeit von insgesamt ca. zwei Stunden egal ist. Jedenfalls war es nicht langweilig.

      Ankunft Dresden Hauptbahnhof. Drei Ausgänge, einer davon Prager Straße... dort trafen wir den Mitorganisator des Mobi Altenberg und zugleich unseren Shuttleservice-Man Jörg. Ein wenig das Auto aufgeräumt, damit wir uns setzen und unser Gepäck verstauen konnten. Und so wurden wir sicher und trocken ;) zur Biathlonanlage gebracht. Welch' Service... mal wieder! An dieser Stelle ein DD... wie Dickes Dankeschön!

      - Teil 2 folgt -

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      Teil 2 - Die Bahn macht... müde?!

      Sonntag. Rückfahrt. Abfahrt Hbf. Dresden 17:04 Uhr. EC 172. Tinas Großraumtaxi hatte für uns noch zwei Plätze neben den drei Nordlichtern, die den selben Zug gebucht hatten, frei. Cool. DD ;). So brauchten wir niemand Anderes mehr behelligen, sondern es war somit quasi ein Abwasch. Da wir noch ziemlich viel Zeit bis zur Abfahrt hatten, gingen wir zunächst in einem Selbstbedienungsrestaurant etwas trinken. Wenn man sich mal mit einem unfreundlichen Klomann anlegen möchte... wir hätten da einen Tipp ;).

      Tina ließ uns bald allein. Nicht lange danach verließen wir das Lokal und steuerten unser Gleis an. Andrea, Birgit und Julia hatten Platzreservierungen, wir für die kurze Fahrzeit nicht. Susie stieg in deren Wagen mit ein und ich mit dem unhandlicheren Gepäck ganz hinten. Ich sicherte uns einen... ähem... also vier Plätze mit Tischchen...sicherheitshalber. Nach einigen Minuten kam sie dann auch mit der Information im Gepäck bei mir an, dass bei den Dreien kein Platz mehr wäre. Wir machten es uns also gemütlich. Zwei Stationen nach Hauptbahnhof hatten wir noch zu "überwinden"... ich stellte mich schlafend... also quasi tot. War ich ja auch. Fast. Niemand sprach uns an, ob die Sitze unter unserem Gepäck noch frei wären. Guter Plan. So hatten wir also jede Menge Beinfreiheit. Und ich schloss dann tatsächlich die Augen und döste bis Berlin. Um 19:08 Uhr hätten wir Südkreuz ankommen sollen. Wir wollten uns noch ordentlich von den Dreien verabschieden und schulterten gerade unser Gepäck, als die Durchsage kam, dass wir zu früh (!) seien und schon in wenigen Minuten in Südkreuz ankämen. Es lachten einige. Also um genau zu sagen: wir beide nur. Die anderen verstanden vermutlich kein Wort Deutsch oder hatten riesige Kopfhörer auf...

      Uns blieb also nichts übrig als auszusteigen und bei denen ans Fenster zu klopfen. Winke-winke. Andrea und Julia stiegen aus. Birgit blieb und hielt die Stellung. So kam es also noch zu einem kurzen Abschiedsreigen mit Anmerkungen zum vorzeitigen Ankommen des EC und dem Gelächter in deren Wagen als Reaktion auf diese überraschende Durchsage. Und dem Satz von Susie... womit wir wieder am Anfang dieser Geschichte wären...

      Frage: Was macht man nun mit einem solchen Zeitgeschenk?

      Man fährt ins Depot der S-Bahn!

      Es sei kurz erwähnt, dass die Berliner S-Bahn zur Deutschen Bahn gehört. Da hapert's ja bekanntlich. Immer mal wieder. Hier auch. Mal fährt die S-Bahn, mal fährt sie nicht. Mit Verspätungen oder gar Ausfällen muss man immer rechnen... und und und. Aber kein Wunder. Es ist eben ein Unternehmen.

      Aber noch einmal kurz zurück: Nach der Verabschiedung nahmen wir die Rolltreppe nach oben, dort kurz orientiert wohin wir müssen, an der Anzeige was gelesen von Westend. Richtung stimmte... also 'rein in den wartenden Zug.

      Bis wir - müde wie wir waren - überhaupt kapiert hatten, dass wir dort nicht hätten einsteigen dürfen, da war es bereits zu spät. Susie drückte sich noch die Daumenknochen krumm, aber die Türen gingen zu. Gnadenlos. Ihr müsst jetzt nicht denken, dass uns wenigstens einer der vielen Leute auf dem Bahnsteig darauf aufmerksam gemacht hätte, dass wir nicht einsteigen sollten... nee nee. Die dachten wahrscheinlich, die mit den komisch langen Stöcken lass'n wa ma' 'ne Extrarunde fahr'n. Touris? Bestimmt sind 'se dit. Lass' die ma' fahr'n, die woll'n doch immer die Stadt kennenlern'... oder in welcher Sprache auch immer sie das dachten...

      Und so sahen wir den Bahnsteig an uns vorbeiziehen... viele Leute draußen, keiner außer uns drinnen. Klar. Nur wir waren so deppert und dösig. Was nun? Ich sah den "Kundenservice-Knopf" neben der Tür und drückte selbigen. Eine männliche Stimme sagte schon wissend, dass wir ruhig bleiben sollten und dass wir nur ins "Depot" fahren und nach ca. zehn Minuten wieder zurück zum Bahnhof gelangen würden. Und wir wären nicht die Einzigen, denen das passiert. Hmm, was der auch immer mit "Depot" meinte... in den wenigen Sekunden bis zum Stopp lief ein Film vor meinem geistigen Auge ab: In einem größeren, dunklen Gebäude würden wir nun warten müssen... aber nein... oder nur fast richtig gedacht. Ein Depot ist hier so eine Art Pausen-Abstellgleis für Züge. Die Definiton bei Wikipedia lautet: "Ein Depot (von lateinisch deponere: niederlegen, abstellen), auch Betriebshof, Wagenhalle oder Abstellhalle, ist eine Einrichtung, in der Eisenbahnen, Straßenbahnen, Oberleitungsbusse oder Omnibusse geschützt abgestellt werden können." Aber nix war's mit "Halle" oder "geschützt". Draußen standen wir, im Regen. Egal. Wir hatten ja ein Dach. Jedenfalls hört sich "Depot" freundlicher an als "Abstellgleis" oder "-halle", finde ich. Zu solch' einem alten Eisen zähle zumindest ich mich noch nicht, als das ich dorthin abzuschieben wäre...

      Die uns von der DB geschenkten Minuten schwanden also dahin... oder nein... sie kassierten sie wieder ein! ;) Der Zug ruckelte sich bald zurecht und nahm leichte Fahrt auf. Nun also rückwärts. Quasi. Wir waren gespannt, ob er uns tatsächlich dort herauslassen würde. Er tat es. Die Leute draußen haben vielleicht geguckt... wir stiegen aus. Gegen 19:08 Uhr! Da wir uns im ersten Wagen befanden, war der Weg zum Zugführer nicht weit. Ich klopfte ans Fenster und bedankte mich. Wir wünschten uns gegenseitig und grinsend noch einen schönen Abend. Nach einiger Verzögerung seitens der S-Bahn (ein Polizeieinsatz sorgte für diese) konnten wir doch noch unseren Heimweg vollenden... mit der Deutschen Bahn... und einen schönen Abend hatten wir auch noch, und was für einen!

      Gruß, Suzy

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      Muck schrieb:

      ... und einen schönen Abend hatten wir auch noch, und was für einen!


      Für die, die nicht das Finale der Fußball-WM 2014 in Brasilien gucken wollten oder konnten oder hier erst sehr viel später lesen: In der 113. Minute schoss die deutsche Nationalmannschaft der Herren ein geradezu "götzliches" ;) Tor und wurde zum vierten Mal Weltmeister, und das in einem südamerikanischen Land. Gegner war Argentinien... da war doch schon mal was?! :cool:

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      Am 20. September 2014 war es wieder mal soweit. Die Bahn hatte ich bereits vor Wochen beauftragt, mich und meine Ausrüstung zum letzten Mobi nach Pattensen zu befördern. Und da laut Veranstalter Stephan wieder Messe in Hannover sein sollte, wollte ich die niedersächsische Hauptstadt vermeiden... genauer eher die volle Bahn und eventuelle Schwierigkeiten, einen Shuttleservice zu organisieren. Ich buchte nach kurzer Rücksprache mit meinem auserwählten Shuttle-Team Peter & Sabine das Hin-und Zurück-Ticket Berlin - Braunschweig.

      Dummerweise stellte ich wenige Tage vor der Abfahrt fest, dass ich ab Hauptbahnhof fahren wollte, was ja schon nah zu meiner Wohnung ist, aber in der Regel steigen da gerne alle Bahnfahrer ein... und ich wollte mir doch für die Kurzstrecke von ca. 1,5 Stunden die Platzreservierungen sparen... was tun? Mich ins Getümmel werfen und riskieren, keinen Sitzplatz mehr zu bekommen? Ist ja immerhin der Zug von Berlin Ostbahnhof nach Interlaken Ost (Schweiz), der könnte voll werden, so peu à peu. Ostbahnhof... ok... eine halbe Stunde länger fahren würde das bedeuten... mit der S-Bahn... also der DB... hmmm... Suchmaschine angeworfen... ob sich das lohnt... ob man das darf, einen anderen Startbahnhof mit dem "+City"-Ticket (das ist beim Buchen von Bahncard-Inhabern
      automatisch inkludiert, sofern die Städte des Start- oder Zielbahnhofs an diesem Service teilnehmen) anzufahren oder ob man ein weiteres Beförderungsentgelt zahlen muss...

      Es hat so cirka 2 Stunden gedauert, die Informationen zu finden und durchzulesen. Antwort: Ja, es lohnt sich, ab Ostbahnhof zu starten und ja, man muss nichts extra zahlen. Nächstes Mal denke ich vor dem Buchen noch mehr nach... beschließe ich. Wir werden sehen.

      Also... ich starte von Ostbahnhof. Ist wirklich leerer hier als Hauptbahnhof, an dem ich ja gerade noch vorbeigefahren bin. Schön. Ich schaue also ganz relaxt auf den Wagenanzeiger, wähle den hintersten Wagen der Holzklasse, weil es für die Nichtreservierer wahrscheinlicher ist, im vom Bordrestaurant am weitest entfernten Wagen einen freien Platz zu finden (!)... diese Info gewann ich auch innerhalb der 2-Stunden-Suche. Der Zug fährt bald ein. Ich beginne wie geplant ganz hinten. Alle Plätze sind reserviert ab Berlin. Was'n das? Ab in den zweiten Wagen. Auch alles reserviert. Mist... und nochmal Mist... mir kommen am Ende des Großraumes welche entgegen. Ich mache, so dick bepackt wie ich bin, Platz und schere ein. Zu Glück sitzen ja noch keine Berliner auf den reservierten Plätzen... die steigen wohl Hauptbahnhof oder gar Spandau erst ein. Ok. Die 3 haben reserviert und müssen an den Tisch. Ich sehe mich schon im dritten Wagen innerlich fluchen... aber was ist das? Reserviert Kassel - Freiburg. Meiner! Und daneben noch Platz für mein Equipment. Kein Hochwuchten notwendig. Ich wähle den Gangplatz, der Fensterplatz bleibt frei.

      Ihr werdet es nicht glauben, aber bis Braunschweig hatte ich beide Plätze für mich. Die Leute gingen vorüber, obwohl sie freie Plätze suchten, und ich schwöre, ich habe mich nicht breit gemacht, dennoch wollte ihn keiner. Noch mal schön. Ich hoffe nur, dass es nicht an mir lag. Oder schwebte eine Geruchswolke über mir?... Knoblauch, Zwiebeln... nee, hatte ich gestern Abend nicht gegessen. Habe ich was am Schuh? Nee, auch nicht. Ach, was mach' ich mir Gedanken um das Unglück anderer Bahnfahrer. Ich beschließe die Fahrt so frei zu genießen... wer nicht will der hat schon.

      Fortsetzung folgt...
      Fortsetzung:

      Wolfsburg, die dritte und vorletzte Station vor meinem Ziel. Leute steigen ein... An mir kommt aber eine scheinbar ganz besondere Person vorbei, vielleicht Mitte 20. Zuerst nehme ich die Stilettos wahr, schwarz samten. Wenn der Zug ruckelt, fällt man garantiert um, denke ich so. Die Frau muss sich also hinsetzen, ihr bleibt nichts anderes übrig. Sie geht vorbei... und zog eine Parfümfahne hinter sich her... boah... eine olfaktorische Umweltverschmutzung. Beim Eindieseln muss entweder die Flasche explodiert oder der Zerstäuber abgefallen sein. Kennt Ihr das auch? Es gibt Düfte, die rauben einem einfach den Atem... aber nicht nur für den Moment sondern so ganz. So ein Duft war das auch. Aufgetakelt wie sie ist, geht sie einmal durch den Wagen (Catwalk?), setzt im wahrsten Sinne ihre Duftmarke, um dann umzudrehen und 4 Reihen vor mir einen Platz zu besetzen.

      Ihre Nachbarin am Fensterplatz tut mir besonders leid. Ich beobachte sie durch die Lehnenritze. Schaut schon sehr angestrengt... gut... sie läuft zumindest nicht blau an. Sie geht aber auch nicht weg... ahhh, mir dämmert es. Sie will unter keinen Umständen Ihren Sitz verlassen, vermutlich, weil sie ihn reserviert hat. Jahaaa, 4,50 Euro wollen abgesessen werden. Noch ein Vorteil der Nichtreservierung: Man ist frei, absolut. Man hat Geld gespart und man hat die Freiheit zu wählen zwischen Sitzen oder Stehen, Angenehm oder Unangenehm, Atmen oder Apnoe-Fahren, Leben oder Tod. Daumen hoch. Alles richtig gemacht! Mir genügt Flachatmen, es ist nicht mehr weit. Ich werde überleben.

      Braunschweig, die vierte Station nach Ostbahnhof. Hier endet die Fahrt und meine Lunge kann wieder volles Volumen nutzen. Der Fahrer vom Großraumtaxi gab mir über Threema Anweisungen, wie ich zu gehen habe, um dort einsteigen zu können. Ich laufe also eher wie ein Rucksack mit Füßen los, hinten den Riesenrucksack und vorne das dazugehörige Daypack an die Schulterriemen angeklickt, gewissermaßen ein klein wenig zum Gewichtausgleichen, praktisch aber eher deshalb, um die wichtigen Dinge wie Geld etc. im Auge zu behalten. Die hatte ich auch gut unter Kontrolle, allerdings nicht mehr den Boden vor mir. Aber wer ahnt denn schon, in einem sonst sauber wirkenden Hauptbahnhof in die Hinterlassenschaften... nein, nicht von Tauben oder anderen Flugobjekten, denn das wäre ja normal... nee, ich meine die großen Hinterlassenschaften von Hunden hineintreten zu können. Keiner oder?

      Als ich also den "ersten" Flatschen sehe, weiche ich den Spuren aus. Komisch ist nur, dass das zum Ausgang immer weniger wird... hat da etwa der Hund im Bahnhof statt davor... nee... oder doch?... Auf jeden Fall könnte die Konsistenz darauf hindeuten, dass das Mitnehmen mit der Tüte quasi von Herrchen oder Frauchen verweigert wurde... urgs. Ich habe insgeheim Verständnis. Ich gehe weiter und suche den Weg. 2 Ausgänge... Peter sprach von einem Ausgang... ich halte mich einfach rechts.

      Sabine wirft sich mir förmlich in den Weg, so beschäftigt bin ich mit dem Suchen. Hatte ja auch keine Ahnung, dass ich abgefangen werden würde... Nach einer Begrüßung verweise ich auf die Hundespuren zum Ausweichen derer. "Du bist aber nicht hineingetreten, oder?" Ähmmm... ich hebe den rechten Fuß und sehe das Malheur, nicht viel aber der Mensch freut sich. Quasi. Also zumindest weil es wenig ist. Wir treten nach draußen. Sabine lotst mich. Die Profilsohle gibt auf dem Weg zum Wohnmobil aber nicht alles her, so sehr ich auch im wenigen Grün beim Parkplatz versuche, das Zeug loszuwerden. Peter zückte nach Berichterstattung kurzerhand einen Schmutzschuhuntersetzer, auf den ich den Schuh im WoMo ablegen durfte. Ich malte mir schon aus, wie die Beiden unendlich lüften würden müssen, damit sie es aushalten könnten, aber nein, es war nicht wie sonst üblich mit Geruchsbelästigung verbunden. Nun stellt Euch mal vor: Da stinkt die Tussi mehr als der Hund aus dem Hintern... Tsts, so bunt ist unsere Welt. Wir fahren los.
      21.09.2014 - Rückfahrt - 16:31 ICE 370, Gleis 7. Wir müssen vorzeitig aus Pattensen losfahren, es könnte auf der A2 am Sonntagnachmittag viel los sein. Ist es aber nicht. Ich steige mit 5 Minuten Zugverspätung in den hintersten Wagen auf Gleis 8 ein, denn Gleis 7 war wegen Schienenreinigungsmaßnahmen nicht zugänglich. Die Tür geht auf, ich trete als Letzte von Fünfen ein und schon in diesem Bereich stehen bzw. sitzen drei jüngere Frauen. Ich wage es mir die Abteile anzusehen, werfe einen kurzen Blick ins Großraumabteil, drehe um und suche mir wie ein Hund ein Platz auf dem Boden. Auf die drei obligatorischen Umrundungen um mich selbst, wie es ein Hund um sich selbst machen würde, verzichte ich.

      Es ist eng, denn vor mir steht ein Faltrolli. Oh, ein der drei Mädels hat einen echten Sitzplatz angeboten bekommen. Ich schleppe mein Zeug dorthin, wo sie gerade noch saß, und mache es mir bequem, direkt an der Tür... schön breit... nicht dass noch jemand Anderes auf die Idee kommt, sich zu mir zu gesellen. Die Schaffnerin geht alsbald an mir vorbei. Sie würdigte mich keines Blickes. Hmm. Sie wird wohl schon wiederkommen und mein Ticket sehen wollen. Die gegenüberliegende Wagentür schließt. Ich sitze also strategisch günstig und muss nicht immer aufstehen. Gutes Plätzchen. Von der anderen Richtung stellen sich plötzlich 3 Personen an diese Tür, 1 Mutter mit 2 hyperaktiven Gören, solche von der Sorte, die gerne auf die Bäume klettern und Passenten mit Kastanien bewerfen. Na toll. Ich krame meine In-Ears hervor, stöpsele diese an mein Smartphone und lasse mich mit Musik berieseln. Schön. Damit ist die personifizierte Hyperaktivität zumindest in der Lautstärke gedämpft. Wolfsburg. Wir halten. Tatsächlich. Nicht vorbeigefahren, wie Peter noch anmerkte. Und Mutti mit ihren 2 Gören steigt auch aus. Schön. Wir fahren weiter und ich höre trotzdem weiter Musik. Ist doch auch so recht laut an der ziehharmonikanischen Verbindung zwischen den Wagen.

      Die Schaffnerin steht plötzlich neben mir und möchte mein Ticket sehen. Ich blicke auf. Geradezu in ihre Nasenlöcher. Wow, sie hat ein Nasenpiercing. Um genau zu sein ein "Septum-Piercing". Ich vermute, das ist aus der normalen Sitzposition nicht so schnell zu sehen. Ich fasse es nicht. Und das bei der Deutschen Bahn. Ts. Sie ist mir auf Anhieb irgendwie sympathisch, obwohl ich ihr auch in einem Dominastudio begegnen könnte, sollte ich ein solches mal aufsuchen müssen, was aber eher auszuschließen ist, weil diese Personen mich eher ängstigen als an- oder ausziehen... so war das auch mit dieser... na sagen wir mal Mittzwanzigerin: pechschwarzes, streng zurückgekämmtes Haar mit einfachem Pferdeschwanz, schwarze und auffällig geschminkte Augen, faltenloses fast bleiches Gesicht und knallrote Fingernägel, lang und spitz (huaaahhh) zugefeilt. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie ihren Mund aufmacht und mich Vampirzähne anfletschen. Soll es ja auch geben und nennt sich dann "Body-Modification". Mit einem entsprechenden Outfit in Lack, Leder, Tüll, könnte sie auch bei den Grufties mitmischen. Ich denke, sie würde der schwarzen Lack und Leder statt weiß-getüllten Fraktion bei Großevents wie z.B. alljährlich beim Leipiziger Wave-Gothic-Treffen angehören. Mannmannmann. Was man so alles aus dieser Perspektive zu sehen bekommt. Phänomenal. Ich beschließe, weiterhin auf die Reservierungen zu verzichten und überlege, mir noch ein gepolstertes Luft-Sitzkissen für die längeren Bahnreisen zuzulegen, damit ich auch dann auf den Boden ausweichen kann.

      Das Ticket ist ok, sie gibt es mir zurück und geht weiter. Und während sie so weiter geht, beobachte ich die Reaktionen der Mitreisenden. Die Piercings an den Ohren sind sichtbar, aber fast schon langweilig. Oh.. da, ein Schwätzchen. Sie lächelt... ja doch, es ist ein Lächeln. Puh, doch nicht so gefährlich. Mehr Schein als Sein. Das dachten sie sich dann auch, die bei der Bahn im Personalbüro...

      Berlin-Spandau, ich steige also vorzeitig aus und um. Die S-Bahn bringt mich ohne weitere aufregenden Erkenntnisse nach Hause.

      So anstrengend auch diese Reisen sein können, es gibt immer wieder Neues zu entdecken, an und mit Anderen als auch an mir selbst. Es ist und bleibt ein Abenteuer zu reisen... in meinem Fall mit der Deutschen Bahn.

      Gruß, Suzy

      Bahnfahrt Kiel-Ruhpolding 2015

      Bericht von Doris

      Fährste mit der Bahn.....trotz oder wegen des Zugführerstreiks: eine gelungene Fahrt von Kiel nach Ruhpolding

      Das Kreuzchen auf dem Kalender markierte den 20.Februar 2015. Genau 3 Monate bevor wir (Andrea, Rainer, Doris) mit der Bahn von Kiel nach Ruhpolding fahren wollten.
      Pünktlich um 0:00 des 20. Februars erschienen die Supersparpreisangebote der DB und da wir hier ein richtiges Schnäppchen schlagen konnten, gönnten wir uns Tickets in der 1. Klasse für die Hinfahrt zum Cross-Skating Biathlon Ruhpolding 2015!!!

      Die Zugführer der deutschen Bahn spielten mit Hilfe diverser Streiks in der Zeit bis zu unserer geplanten Abfahrt reichlich mit den Nerven der Reisenden, doch da der letzte von bis dahin 8 Streiks gerade 1 Woche zurück lag, wähnten wir uns in Sicherheit, dass wir auf jeden Fall verschont bleiben würden.
      Sehr falsch gedacht, Herr Weselsky trachtete danach, sich auch unsere Sympathien zu verscherzen. Pünktlich um 2:00 am Tage unserer Abfahrt begann der 9. Streik der Lokführer.

      Welche Optionen hatten wir?
      Unsere geplante Zugverbindung: Start 6:13 ab Kiel - Ankunft 16:13 in Ruhpolding fiel natürlich aus. Eine Möglichkeit wäre, um 4:05 ab Hamburg. Aber wie sollten wir nach Hamburg kommen?
      Andrea trat mit Julia in Kontakt mit folgendem Plan: Andrea holt mit ihrem Wagen um 2:45 Doris ab, dann Julia, zuletzt Rainer, fährt dann den Wagen nach HH zum Hauptbahnhof und Julia fährt den Wagen dann zurück nach Kiel.
      Parallel erkundigte sich Doris beim örtlichen Taxiunternehmen, was eine Fahrt zum Hamburger Hauptbahnhof kosten sollte. Der Ansprechpartner am anderen Ende der Telefonleitung hatte das falsch verstanden und dachte wir wollten zum Kieler Hauptbahnhof. Als Doris ihn aufklärte, dass wir von dort nicht nach Hamburg kommen würden, fragte er erstaunt:"Ach, streiken die schon wieder?" Da sieht man mal, wie alltäglich die Streiks schon geworden sind, wenn selbst die Profiteure ihn nicht mehr registieren.
      Naja, 115€ sollte es kosten und das war uns dann doch zu viel. Die Fahrt mit Andreas Auto unter Zuhilfenahme von Julias geraubten Schlaf war uns zu umständlich und auch zu brutal gegenüber der Schlafbedürftigen.

      Wir entschieden uns dann dafür, den ersten möglichen Nahverkehrszug von Kiel nach Hamburg zu nehmen und von dort aus weiter zu schauen. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden wir zumindest bis Nürnberg kommen.
      Auf dem Kieler Hauptbahnhof erwarteten wir Chaos, weil wir dachten, dass alle Pendler von Kiel nach HH sich in die wenigen noch fahrenden Züge stürzen würden, aber wieder völlig falsch gedacht. Der Bahnhof war ziemlich verlassen und später im Nahverkehrszug hatten wir reichlich Platz für unser Gepäck.

      Im ICE nach Nürnberg sprinteten wir gleich in die 1. Klasse und wunderten uns über die ausreichende Anzahl freier Plätze. Lediglich eine Anzeige "ggf. freimachen" stand über den Plätzen, die uns aber nicht beunruhigte.
      Da es in unserer Runde einen Geburtstag zu feiern gab und wir mit Sekt, Kuchen und Snacks gut versorgt waren, wurden wir auch zunehmend entspannt. "ggf. freimachen" wurde für uns noch zu einem lustigen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, weil wir erfuhren, dass wir Plätze im Express-Bereich eingenommen hatten, die reserviert sein konnten und dann auf Anfrage frei zu machen waren. So wechselten wir zwischendurch immer mal wieder von einem Platz zum nächsten.

      Sehr entspannt waren auch die Schaffner. Einer Familie mit zwei kleinen Kindern, die Fahrkarten für die zweite Klasse hatte, aber dort keine zusammenhängen Plätze gefunden hat und ihre Fahrkarten auf 1. Klasse "upgraden" wollte, sagte der Schaffner nur: "Heute ist das alles in Ordnung so." Große Erleichterung beim Familienvater.
      Lustig waren die Ansagen bei der Einfahrt des Zuges in einen Bahnhof, da an einigen Stationen nicht gehalten wurde und wenn doch, dann sicherlich an anderen Gleisen als üblich. So hörte sich eine typische Ansage folgendermaßen an:
      "Meine Damen und Herren, wir erreichen jetzt.........Fulda???....ja tatsächlich Fulda! Der Ausstieg ist in Fahrtrichtung............" (inzwischen konnten wir die Bahnsteigkante auf der linken Seite sehen)... " äh links!"

      In Nürnberg sollten wir eine gute halbe Stunde Aufenthalt haben und dann in einen Nahverkehrszug nach München steigen. Aber wie eine Fata Morgana stand auf dem nächsten Gleis ein ICE und auf der zugehörigen Anzeigetafel "München Abfahrt 12:30" also in 4 Minuten. Koffer, Rucksäcke, Stöcke gepackt und im Laufschritt in diesen Zug, der als Sonderzug bereitstand. Hier hatten wir wirklich die Qual der Wahl beim Sitzplatzangebot. In der gesamten Fahrzeit von Nürnberg nach München trafen wir nur drei Personen in unserem gesamten Waggon an.
      Wir entschieden uns für das Panorama-Abteil hinter dem Fahrstand, das wir ganz für uns hatten. Also Gepäck in eine Ecke, Füße gemütlich hoch und dann Abfahrt. ... und flutsch, ein Schwall Wasser ergoss sich vom Dach auf unser Gepäck. "Dach wohl undicht" ... Nachdem wir das Gepäck an anderer Stelle verstaut hatten, störte nichts mehr unsere Fahrt. Der restliche Sekt und die Muffins wurden aufgedeckt und einmal fragte vorsichtig die Zugbegleitung an, ob sie mal kurz durch unser Abteil gehen dürfe. Alle waren so nett.



      Vorletzter Zugwechsel: in München ging es in einen Meridian. Die 1. Klasse unterschied sich von der 2. dadurch, dass sie eine Stufe höher lag. Also hatte man wenigstens ein erhobenes Gefühl. Die nette Stimme mit österreichischem Akzent der Zugbegleiterin hieß uns alle willkommen. Danach sollte die Begrüßung für die englischsprachigen Fahrgäste folgen. Nach dem ersten kurzen Satz kam sie ins Schleudern und fing an zu gackern..... "i'm sorry.... gacker, kicher, glucks, "i'm so sorry, i'm soo sorry". Nichts ging mehr, außer uns gute Weiterfahrt zu wünschen.

      Nach dem letzten Abschnitt nach Ruhpolding in einem weiteren Regionalexpress kamen wir fast pünktlich an und wurden vom netten Herrn Huber von der Pension Huberhof (Achtung hier Werbung :) ) mit dem Auto abgeholt.

      Am nächsten Morgen kam in den Medien die Nachricht, dass der Streik am selben Abend beendet werden würde.
      Eigentlich schade! Dann haben wir auf der Rückfahrt von Ruhpolding nach Kiel also wieder überfüllte Abteile, die üblichen Verspätungen, genervtes Personal, verpasste Anschlusszüge: Das gewohnte Chaos also......
      :P ^^

      anki schrieb:

      Dann haben wir auf der Rückfahrt von Ruhpolding nach Kiel also wieder überfüllte Abteile, die üblichen Verspätungen, genervtes Personal, verpasste Anschlusszüge: Das gewohnte Chaos also......


      Ich vermelde: Nichts davon ist eingetroffen.
      Zwar war der Zug streckenweise wegen verschiedener Pfingst-Reisegruppen ziemlich voll, doch alles in allem waren wir sehr komfortabel unterwegs und absolut pünktlich zu Hause!
      Da buchen wir doch gleich gerne wieder für Altenberg :thumbup:

      LG Andrea