Seven Summits

      Seven Summits

      Die Seven Summits sind die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente. Sie in Serie zu besteigen, ist seit den 1980er Jahren Ziel so mancher Bergsteiger. Will man mit Cross-Skates die höchsten Berge befahren, ist es sinnvoll, sich deutlich kleineren Gipfeln zu nähern: Zum Beispiel die Seven Summits der deutschen Mittelgebirge.

      Der niedrigste der Seven Summits ist der Lemberg mit 1015m auf der Schwäbischen Alb, der nächst höhere der Schwarzkopf mit 1041m im Oberpfälzer Wald, dann der Schneeberg mit 1053m im Fichtelgebirge, gefolgt vom Brocken mit 1141m im Harz, der Keilberg mit 1243m im Erzgebirge, der Große Arber mit immerhin schon 1456m im Bayerischen Wald und schließlich Deutschlands höchster Berg, der Feldberg mit 1493m im Schwarzwald. Gruß Randonneur
      Hallo, Randonneur,
      Finde ich sehr spannend. Wo warst Du überall schon?
      Falls Du noch nicht im Erzgebirge warst, habe ich eine "gute" Nachricht für Dich. Der höchste Berg im Erzgebirge auf deutscher Seite ist der Fichtelberg. Auf den muss man sich nur 1214 m hoch quälen. Der Keilberg liegt schon auf tschechischer Seite.
      Schreibst Du noch über Deine Erlebnisse bei den Aufstiegen?
      Liebe Grüsse
      Birgit
      Hallo Randonneur

      Gute Idee, sollte auch ohne teures Permit und Sauerstoffmaske machbar sein :cool:

      Was sind die Kriterien für die Auswahl? Wo bleibt die Zugspitze?

      Wenn so eine Gipfeltour im Schwarzwald (Idealerweise Nordschwarzwald) gepant ist, würd ich mich ggfs. mal anschliessen. Vom Rennradfahren her kenne ich Achern-Hornisgrinde mit 1000HM am Stück. Das ist schon ein echtes Pfund. Oder auch die Kaltenbronner Wand vom Murgtal rauf auf die Schwarzmiss.

      LG
      dto
      Begonnen hat alles im Schwarzwald.

      Neben unzähligen Aufstiegen zum Feldberggipfel mit Touren- und Langlaufski gelingen mir auch zwei Befahrungen mit Cross-Skates, zuletzt im Sommer 2012 bei der Überfahrung von Herzogenhorn, Feldberg und Belchen "in einem Zug". Dabei kommt mir die spontane Idee, warum eigentlich nicht von allen deutschen Gebirgszügen den jeweils höchsten Gipfel zu befahren. Ein Blick ins Netz läßt mich rasch davon Abstand nehmen. Es sind mindestens 44 Berge.

      Also stelle ich den Gedanken zurück zugunsten eben der sieben jeweils höchsten Erhebungen der deutschen Mittelgebirge. Alle sieben Berggipfel sind über 1000m hoch. Wollte man die acht höchsten Gipfel befahren, müsste man den Großen Beerberg im Thüringer Wald dazunehmen. Dieser ist 983m hoch. Also unter Tausend und somit vorerst nicht auf meiner Liste. Gruß Randonneur
      Die sportliche Aufgabe ist definiert: Sieben Mittelgebirge, sieben jeweils höchste Gipfel und alle über 1000 Meter.

      Aber was heißt sportlich? Welche Höhendifferenzen und Anfahrtsdistanzen müssen mindestens bewältigt werden, damit die Befahrung eines Berggipfels auch wirklich eine ist; wie ist's mit der Dominanz und Schartenhöhe des Berges; und was heißt fahren, wenn sich bei sehr steilen Passagen bergauf im Grätenschritt kaum die Räder drehen oder es irgendwann nahezu zwingend ist, eine unfahrbare Passage raufzugehen? Gehört eine komplette Abfahrt zum Ausgangspunkt zur erfolgreichen Befahrung; sollten alle Touren aufgezeichnet und samt Daten veröffentlicht werden; braucht es Zeugen und Beweisfotos zum Nachweis des Erfolgs?
      Was sagen Regeln und Vorschriften, haben andere Crosser ähnliche Touren schon gemacht und bereits anerkannte Standards gesetzt?

      Fragen über Fragen also. Muss ich die alle klären, bevor es losgeht? Ich glaube nicht. Das ist eine Entscheidung, der man eine gewisse Ignoranz unterstellen kann. Dabei orientiere ich mich am Bikebergsteigen bzw. an alpinen Erstbefahrungen, beides relativ junge Spielarten des Bergsports, noch nicht auf Linie gebracht von Sportfunktionären und geschäftstüchtigen Fitness-Freizeit-Managern. Diese Bergradler bevorzugen Eigenverantwortung und Autonomie. Man definiert für sich selbst die Linie, das Ziel und die Methode. Wählt das Bike. Akzeptiert die Naturschutzvorgaben. Und rauf geht's!
      Feldberg 1493m im Schwarzwald (Baden-Württemberg) am 28. August 2012

      Die sehr anstrengende Überschreitung des Herzogenhorns 1415m ist geschafft. Sitze in der Sonne am Hebelhof und nehme ein zweites Frühstück ein. Die Pause tut gut. Muss mich stärken. Denn Feldberg und Belchen stehen heute noch an. Es werden schließlich 1960hm und 50km an diesem Tag, zur Hälfte auf meist grob geschotterten Wegen. Der Feldberg ist dabei die leichteste Übung. Im oberen Teil alles asphaltiert. Nur die Augen haben viel zu tun. Sie müssen Löcher, Risse, Buckel und Dellen rechtzeitig erkennen, vorallem in steilen Abfahrtspassagen gilt es einen Sturz zu vermeiden.
      Lemberg 1015m Schwäbische Alb (Baden-Württemberg) am 5. September 2013

      Der niedrigste der Seven Summits ist der Lemberg mit 1015m. Er gehört zu der Gipfelgruppe der "Zehn Tausender" der Schwäbischen Alb. Mein Plan ist, alle zehn Berge als Tagestour zu überfahren. Die meisten Wege sind mir unbekannt. 150hm Abfahrt vom Hochwaldberg, über dessen Spitze die Rollerpiste des Biathlonzentrums Heuberg führt. Dann Auffahrt zum höchsten Berg der Tagesrunde. Wie befürchtet fängt irgendwann der Motor an zu stottern. Ohne Rücklaufsperren geht nichts mehr. Der Grätenschritt ist sehr mühsam. Wenn ich jetzt überziehe, gefährde ich mein Tagesziel. Ich schnalle ab und gehe die letzten 90hm zu Fuß.

      Die Abfahrt ist ein Abenteuer für sich. Der felsige Boden ist feucht. Immer wieder rutschen die Skikes auf dem steilen, schmalen Trail quer. Die Räder sind verschmiert, die Schienen setzen auf. Wurzeln sind wie mit Butter bestrichen. Dann heißt es "absteigen", dabei die Vorderräder gegen einen Stein oder quer zum Hang hin stellen und so heikle Stellen entschärfen. Wanderer kommen mir von unten entgegen und schütteln nur die Köpfe. Zurecht.

      Der Anfang ist gemacht. Von den Seven Summits sind der höchste und der niedrigste Berg befahren. Leider werden die Tage kürzer, die Verhältnisse sind oft feucht. Früh setzt die Dämmerung ein. Dazu kommt Herbstkälte und Schnee im November. Meine Skisaison beginnt im Oktober. Und dauert recht lang. Ende April drehe ich letzte Langlaufrunden im Schwarzwald.
      Großer Arber 1456m Bayerischer Wald (Bayern) an Chr. Himmelfahrt 2013

      Ich starte in Bodenmais am Fuße des Großen Arber. 9,5km, 780hm und die Abfahrt sind zu bewältigen. Es ist sehr warm. Gewitterwolken türmen sich auf. Die Straße steigt sofort sehr steil an. 16% sind keine Seltenheit. Unter 10% sind nur zwei Abschnitte auf der Tour. Treffe nur wenige Leute, darunter meist Mountainbiker. An der Quelle fülle ich meine Wasservorräte auf. Bergmischwald bestimmt hier die Vegetation. Bei der Kapelle fahre ich links vorbei. Auf dem Asphalt liegt grober, für meine Zwecke zu groß geratener Rollsplitt. Nur die zwei Fahrspuren sind weniger davon bedeckt. Die Roadstarreifen schaffen es kaum, die Steine zu überrollen. Allein mit der HSSS-Technik gelingt es mir, vorwärts zu kommen. Mache ungewohnt viele Pausen. Ein Skike Vx twin mit Fersenhochgang und Rücklaufsperren wäre jetzt gut. Der Schnee nimmt zu. Mein Weg ist zum Glück frei und trocken. Plötzlich ist der Asphalt zuende. Die letzten 250hm fahre ich auf der Offroadpiste, sehr grob geschottert. Anfangs geht es scheinbar leichter als auf Asphalt. Weiter oben wird es richtig hart. Zugleich verändert sich die Landschaft. Große Felsen treten hervor. Der Bergfichtenwald bleibt zurück. Felsdurchsetzte Wiesenlandschaft begleitet mich jetzt bis zum Gipfel. Zum Schluß die etwa 20% steile Schuttrinne zum Plateau, die ich mehr raufsteige denn rolle. Die Aussicht ist überwältigend. Ich stelle mir vor, wie es hier im Winter wäre.

      Nach der Pause auf dem Felsen des Gipfelkreuzes fahre ich über das Plateau zurück zur Rinne. Vorsichtig rolle ich bergab, bis die Skikes festsitzen. Das Geröll ist stellenweise zu tief. Im Winter ist hier die Tourenskiabfahrt. Die Räder versinken im Geröll. Ein kleiner Schritt. Plötzlich rollen die Beine weg. Ich komme in Rücklage, fast ein Sturz. Am effektivsten geht's, wenn ich beide Skates versetzt zusammenschließe und permanent bremse. Die Stöcke fasse ich kürzer und beuge mich sturzbereit nach vorn. Nur dumm, dass die Protektoren im Auto liegen. Dann 250tm über groben Schotter. Gut, dass ich meine Skiroller unten gelassen habe. So viel hard cross mögen sie nicht. Der Gegenanstieg ist fahrbar. Halte ab und zu kurz an, um die Reifen etwas abzukühlen. Denn es ist so steil, dass man fast immer auf beiden Bremsen stehen muss. Kurven oder Serpentinen gibt es kaum. Plötzlich feinster Sand, vom Regenwasser auf die Piste gespült. Es verreißt mir den Skate. Komme aus dem Gleichgewicht. Kann mich aber halten. Glück gehabt. Außer ein paar Mountainbikern begegnet mir niemand. In Bodenmais dann das pralle Leben, volle Straßencafes, Autos, Ferienhäuser, Gasthöfe, Menschen in Feiertagsstimmung. Will nur noch abschnallen, eintauchen, abhängen, Bier und Mittagessen genießen. Doch es kommt anders.
      Schwarzkopf 1041m Oberpfälzer Wald (Bayern) an Chr. Himmelfahrt 2013

      Die Wolken am Himmel beruhigen sich etwas. Bin grad wieder unten in Bodenmais und lese den Wetterbericht. Es ist jetzt Nachmittag. Morgen ausgiebiger Regen. Überall. Also nichts mit Abhängen und Genießen. Ich fahre mit dem Auto nach Waldmünchen. Mein Plan: wenn ich heute zusätzlich zum Großen Arber auch den Schwarzkopf befahre, kann ich morgen einen Pausentag in Regensburg einlegen. Wunderschöne Landschaft hier. Mit einem Mal sehe ich den Schwarzkopf, markant der Aussichtsturm von 1904. Der Gipfel war Sperrgebiet bis 1990 und kann über Asphalt und später über Betonplatten erreicht werden. Maximal deutlich über 20%, dazu gefühlt hunderte breite Wasserrinnen auf den letzten 2km der Betonpiste. Ich wähle die Nordanfahrt von Capartice aus, ein paar Häuser und ein Parkplatz wenige Kilometer hinter der Staatsgrenze. 4,4km und 365hm sollen es nur bis zum Gipfel sein. Der eng asphaltierte Waldweg ist ausgeschildert und für den normalen Verkehr gesperrt. Die ersten zwei Kilometer sind locker zu fahren, mäßige Anstiege wechseln mit kleinen Abfahrten. Bergradler kommen mir entgegen. Man grüßt sich. Danach beginnt eine steile ruppige Betonpiste. Die ist der Hammer: Der Weg ist zusammengesetzt aus maroden Betonplatten, immer vier Platten längs parallel, jede so groß wie ein Küchentisch. Die breiten Fugen sind meist nicht mehr ausgefüllt. Dazu große Löcher und Eisenverbindungen, glatt poliert und bis zu 20 cm lang. Am gefährlichsten sind die vielen breiten Wasserrinnen, die so angefahren werden müssen, dass man nicht aufsetzt. Nach wenigen Meter ist klar, dass man hier definitiv nicht rauf skaten kann. Die heute Morgen vermissten Rücklaufsperren und der Fersenhochgang wären hier nicht nur hilfreich, sondern unabdingbar. Ich muss zu Fuß weiter. Gut, dass ich keine Skischuhe trage. Die Panzerplatten haben sich teilweise verschoben bzw. abgesenkt, sodass man in der Abfahrt über 4-5cm hochstehende Kanten rollen muss. Springe ich drüber, kann ich nicht bremsen, beschleunige also und rase in die nächste Falle. Instinktiv suchen meine Augen eine Linie, die sich noch fahren lässt. Da es hier auf jeden Meter ankommt, ist auch das sinnlos. Es sind gefühlt tausende Betonplatten. Langsam wird es dunkel. Hier ist keine Menschenseele mehr.

      Oben angekommen, würdige ich die Häuser und den Turm keines Blicks. Denn zur Dunkelheit kommt die Abendkühle. Wenn ich jetzt raste, werde ich müde und kühle aus. Ein Riegel und ein Schluck aus der Flasche müssen genügen. Wo sind meine Protektoren? Im Auto. Bleiben Handschuhe und Helm. Langsam rolle ich runter. Den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, die Stöcke kürzer gefasst. Geht eigentlich. Dann wird es steiler. Höchste Konzentration und Kontrolle. Immer vorausschauen, die Vorderräder entlasten, der richtige Anfahrtswinkel bei den Wasserrinnen, nur die beste Linie, das richtige Tempo beim Überrollen der Hindernisse. Gut, dass ich mit beiden Bremsen zugleich in diesem Steilhang verzögern kann. Zwischendurch kurzer Halt zur Entspannung und Abkühlung der Reifen und Bremsbeläge. Durch den kurzen Radstand kann ich den Skate passabel steuern und gleichzeitig bremsen. Und noch eine Wasserrinne. Die letzten Kanten und Fugen. Dann Asphalt. Endlich. Ich lasse es laufen und atme durch.
      Schneeberg 1053m Fichtelgebirge (Bayern) am 11. Mai 2013

      Der Himmel ist bedeckt, die Straßen trocken. Ich parkiere den Wagen in Bischofsgrün auf dem großen Parkplatz des Skigebiets Ochsenkopf. Die Loipen sind weitgehend schneefrei. Auch die längste Skipiste Nordbayerns ist grün bzw. braun, die zwölf Lifte stehen still. Nur die beiden Seilschwebebahnen laufen, um die Wanderer und Biker zum Asenturm auf dem Ochsenkopf zu bringen. Nubi, der außerirdische Skifreund aus Nubitamien, hat Saisonpause.

      5km und 450hm bis zum Gipfel lese ich auf dem Display. Die Straße ist steil und kaum befahren. Also, auf geht's. Vorbei am Hotel Kaiseralm, die Brücke über die B303, dann die Höhenklinik. Nach etwa 1.5km zweigt in einer Linkskurve rechts eine Straße ab. Seltsam, warum hier nichts ausgeschildert ist. Ich finde keinen Hinweis. Gar nichts. Der Track, den die Komoot-App anzeigt, ist eindeutig. Hier muss die Gipfelstraße beginnen mit über 10% auf 3,5km, maximal 15%. Was mache ich jetzt? Niemand zu sehen. Dabei ist die Straße erstaunlich breit, die Asphaltdecke rau und makellos. Bis zum Sommer 1996 war der Gipfel nicht öffentlich zugänglich. Die Schranke ist runtergelassen.

      Also gut, ich folge meinem Track. Es geht weiter bergauf. Der Splitt ist dicht und gleichmäßig gestreut, aber nicht zu groß und also gut fahrbar für meine kleinen Räder. Treffe auf einen Läufer, der von oben kommt. Typ älterer Offizier, reagiert nicht auf Morgengruß. Landschaftlich ist's hier völlig unspektakulär, es sei denn, man kommt grad aus der Wüste. Grünbrauner Nadelwald, grauer Asphalt, graue Wolken. Das große Gipfelplateau ist in Nebel gehüllt. Der häßliche Fernmeldeturm ist kaum zu sehen. Ich entdecke das Backöfele, einen kleinen Felsen, ähnlich hoch wie die auf dem Gr. Arber oder Brocken. Dort raste ich. Der Rückweg ist ebensogut fahrbar. Der Rollsplit stört kaum. Treffe auf freundliche Mountainbiker, die es gemütlich angehen lassen.

      Am ominösen Abzweig dämmert es mir langsam. Diese ungewöhnlich breite Straße in Bestzustand wurde möglicherweise angelegt für amerikanische mobile Raketenstartrampen. Und damit hier keine russischen Panzer oder Katjuscha nebeneinander hochfahren, fehlt jegliche Beschilderung der Straße und also auch jeder Hinweis auf den Schneeberg. Absolut sinnvoll. Ich wäre ja auch beinahe dran vorbeigefahren. Ein Rätsel bleibt: Warum hat die Gipfelautobahn 23 Jahre nach Ende des kalten Krieges immer noch kein einziges Schlagloch und keine Risse, obwohl die Durchschnittstemperatur im Jahr nur 3,7 Grad beträgt?
      Keilberg 1243m Erzgebirge (Sachsen) am 11. Mai 2013

      Über den Erzgebirgskamm Klingenthal, Johanngeorgenstadt fahre ich bei strömendem Regen mit dem Auto nach Oberwiesenthal. Nach dem Schneeberg im Fichtelgebirge heute morgen will ich jetzt am Nachmittag den höchsten Berg des Erzgebirges befahren. Ausgangspunkt ist Oberwiesenthal am Fuße des Fichtelbergs, höchster Berg Sachsens. Der Keilberg ist nur 28 Meter höher und liegt südlich etwa 3,4km entfernt. Der Regen hat aufgehört. Der Himmel hellt auf. Ich halte am Ortsrand auf dem großen Parkplatz, um mir die Ortsdurchfahrt zu sparen. Auf dem Papier bzw. Smartphone sind es bis zum Gipfel nur 260hm auf 5,5km und kaum steiler als 7%.

      Ich starte mit Skikes. Die Crossrollski bleiben im Auto. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Zunächst muss die unangenehme Steigung der nicht wenig befahrenen Karlsbader Straße überwunden werden. Eine Alternative ist die unterhalb verlaufende Alte Poststraße. Oben zweigt die Straße ab und ich rolle auf leicht abfallender Ebene zur verlassenen Grenzstation. Dann weiter bis zum Kreisverkehr und hoch auf ruhiger Straße zum Pass. Dort beginnt die Gipfelstraße. Naja eher eine wilde Offroadpiste, die im Winter viel gelitten hat. Sie ist sehr grob geschottert und hat trotz des Regens zwei erstaunlich feste Spuren. Zunächst komme ich relativ gut voran. Dann nimmt die Steigung zu. Es wird anstrengend. Die Skates müssen über Steine und feuchten Dreck rollen. Ein klarer Fahrstil ist kaum noch machbar. Weiter, höher, immer dem Ziel entgegen.

      Oben dann Erleichterung und etwas Enttäuschung. Die großen Häuser sind verfallen. Nebel. Alles wirkt öd und verlassen. Drei junge Frauen bitten mich, ein Foto von ihnen zu machen. Natürlich, und gleich ist die Stimmung wieder besser. Kurze Pause, und, bevor der Körper auskühlt, die Abfahrt unter die Räder genommen. Ich überrolle alles ohne anzuhalten. Dann die Straße. Sie ist immer noch nass. Auch gut, so erhitzen die Reifen weniger. Bald bin ich wieder am Auto. Umziehen, Skates und Schuhe reinigen, Essen und Trinken. Und auf in den Feierabend.
      Brocken 1141m Harz (Sachsen-Anhalt) am 12. Mai 2013

      Schierke im Harz. Es regnet kaum noch. Ziemlich kalt ist's. Bis jetzt kein Cross-Skater zu sehen. Sie werden gestern das trockne Wetter genutzt haben. Und wer fährt schon zweimal in zwei Tagen den gleichen Berg die gleiche Strecke hinauf. Die Parkuhr gibt mir drei Stunden Zeit. Ausreichend für ca. 10km, 500hm und zurück.

      Es regnet wieder, als ich frierend aufbreche. Ich mache keine Pause. Mir wird warm, obwohl ich nur im nassen, dünnen Kurzarmtrikot fahre. Die freundlichen Sachsen auf dem Kremser wärmen sich gegenseitig und innerlich. Sie lachen und bieten mir Bier an. Oben gerne ein Schluck, sage ich. Bis dann. Prost. Und überhole sie. Eine Gruppe von Segway-Fahrer weiter oben sucht frierend Unterschlupf in einer Schutzhütte auf halbem Wege. Sie sehen aus, als ob sie nichts zu trinken dabei haben.

      Die Bäume werden kleiner. Der Wind nimmt zu. Die Kälte auch. Der Gipfel ist nahe. Nebel und Nieselregen bleiben mir treu. Die Dampflok, deren Schnaufen und Pfeifen mich verfolgte, fährt gerade in die Gipfelstation ein. Ihr Qualm mischt sich mit der feuchten Nebelluft. Der Smog zieht, begünstigt durch Fallwinde, direkt in meinen Schlussanstieg unterhalb der Station. Das Finale. Ich gebe ziemlich alles. Das Atmen fällt mir schwer. Mitfühlende Gipfelwanderer, die im Nebelqualm wie Brockenhexen aussehen, feuern mich an uff Dräsdner Ard: Gleisch hasduus, nemärweid! Sauuber nuff duuh! Nr-därhadsdruff, nischdforsässlbubsr.

      Oben auf dem Plateau dann Erleichterung und Freude. Dazu 2 Grad, Nieselregen und heftiger Wind. Es ist schon länger her, dass ich das letzte Mal hier mit Ski unterwegs war. Kalter Wind, Nebel, Schnee und Sonnenschein damals. Jetzt Trikotwechsel, essen, trinken und die Ausrüstung kontrollieren. Die Abfahrt ist leicht, der nasse Straßenbelag griffig. Der Kremserwagen ist immer noch weit unten. Wir winken uns zu. Schade um das mögliche Bier. Für Morgen ist Schneeregen und Schnee angesagt. So gesehen war es heute doch nicht so schlecht. Gruß Randonneur
      Helle, heeflich, heemdiggsch. Diese gemütlichen Obersachsen sprachen sächsisch zu mir, vermutlich weil sie mich für einen Sachsen hielten. Der in nordischer Lauftechnik schnaufend wie eine Lok dem Berg auf sportlich faire Weise seinen Respekt zeigt, der muss, ouch wänner gee rischtschor Sachse is, säggsch forschdehn. Gruß Randonneur
      Wenn man die Liste der wichtigsten deutschen Mittelgebirge zugrunde legt, also Gebirgszüge, die über ein relatives Relief von mindestens 300 Meter Höhenunterschied verfügen, dann sind es laut wikipedia 44 Mittelgebirgszüge. Eine schöne Aufgabe wäre es, zum Beispiel mit dem Heidbrink (320m) im Wiehengebirge zu beginnen und sich bis zum Feldberg im Schwarzwald über alle Gipfel "hochzuarbeiten".

      Oder man orientiert sich an Christian Stangl, der die jeweils beiden höchsten Berge jedes Kontinents besteigt: Seven Summits and Seven Second Summits. Bescheiden übertragen auf unsere Mittelgebirge hieße das: Feldberg und Herzogenhorn im Schwarzwald, Großer Arber und Großer Rachel im Bayerischen Wald, usf.

      Wem das zu eng in deutschen Grenzen, die so manche geologische Formation "durchschneiden", definiert ist, der kann sich auch den wichtigsten europäischen Mittelgebirgen zuwenden: Ardennen, Bayerischer Wald, Böhmisches Mittelgebirge, Chibinen, Eifel, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Gorski Kotar, Harz, Jura, Krimgebirge, Mátra, Odenwald, Parnon, Rheinisches Schiefergebirge, Riesengebirge, Schwarzwald, Sierra Morena, Spessart, Spitzbergen, Sudeten, Teutoburger Wald, Ural, Velebit.

      Wer es bergsportlicher mag, wendet sich den Hochgebirgen Europas zu: Alpen, Apenninen, Azoren, Balkan, Betische Kordillere, Cinto, Dinariden, Iberisches Scheidegebirge, Ida, Island, Kantabrien, Karpaten, Kastilien, Kaukasus, Pindos, Pirin, Pyrenäen, Rhodopen, Rila, Sierra Nevada, Sizilien, Skandinavisches Gebirge, Taygetos, Tatra. Mögliche Ziele wären die jeweils höchsten Passstraßen, die höchsten anfahrbaren Punkte bzw. Berggipfel, die jeweils größte Höhendifferenz, Kammwege, Bergtäler, Umrundungen, Überschreitungen, ...
      Empfehlenswert für den ambitionierten Freizeit- und Gelegenheitsskater ist meiner Einschätzung nach unter den Seven Summits sicher der Brocken im Harz, wenn man die Gipfelstraße auch für die Abfahrt nimmt. Für Arber und Feldberg braucht man etwas mehr Können.

      Keilberg und Schneeberg lohnen sich nicht, wenn man extra dafür anreisen muss. Lemberg und Schwarzkopf sind eher was für Spezialcrosser, deren Skates ausgerüstet sind zum Beispiel mit großen fetten Crossrädern, variablem Fersenhochgang und Rücklaufsperren, kurzen, robusten Schienen mit Unterbodenschutz und großer Bodenfreiheit.

      Oder man fährt eben wie ich seine alten Skikes V07 mit Verstärkung und "quält" sie. Sie sind immer noch robust und haben konstruktionsbedingte fahrtechnische Grenzen. Der Unterboden und nochmehr die Rahmenverstärkung haben einige harte Schläge hinnehmen müssen.

      Die Stöcke sollten solide Spitzen haben, scharf geschliffen müssen sie nicht sein, die Reifen nicht zu abgefahren. Auf Fender bzw. Schutzbleche wird besser verzichtet aus ähnlichen Gründen wie beim MTB. Dazu zwei gute Bremsen und Ersatzteile, Werkzeug und Schuhe, in denen man auch gehen kann. Helm, Brille, Handschuhe und Protektoren für die Abfahrten. Auch ist ein Navigationsgerät mit vorprogrammiertem Track manchmal sehr hilfreich. Ein Smartphone mit entsprechender App tut es auch.