Auf dem Mittelland-Skate durch die Schweiz

      Auf dem Mittelland-Skate durch die Schweiz

      Der Vorschlag kam von meiner Frau. Ob ich Lust hätte eine Mehrtagestour mit den Skikes zu unternehmen. Sie würde mich zusammen mit meiner Tochter mit dem Fahrrad begleiten und das Gepäck transportieren, und einen Routenvorschlag hätte sie auch schon.
      Das sollte man sich nicht zweimal überlegen, also gesagt und gleich geplant. Seit einigen Jahren gibt es in der Schweiz durchgehend ausgeschilderte Inliner-Routen. Eine davon, die Mittellandroute 3 führt von Romanshorn am Bodensee bis Estavayer-le-Lac am Neuenburger See. Das macht zusammen 420km abseits der Straßen auf stets asphaltierten Wegen. Etwas skeptisch war ich schon, immerhin geht es laut Karte durch relativ dicht besiedeltes Gebiet und auch mitten durch einige Städte. Und bei 6 Tagen sind das täglich rund 70km! „Das schaffst du locker“, meine Frau war da wohl überzeugter als ich und so starten wir also in Romanshorn vom Bahnhof. Die Beschilderung ist klasse und die Route wenn immer möglich abseits der Strassen oder auf dem Velostreifen. Geplant ist die Strecke eigentlich für Inliner und deshalb werden steile Anstiege und Abfahrten konsequent gemieden. Mit Skikes ist das ganze dann sowieso problemlos. Selbst rauher Asphalt oder Betonwege werden problemlos gerollt und wenn es durch die Felder und Wiesen geht lässt einen der hie und da auftretende Riesel auch kalt. Dann , der erste Knackpunkt. Es geht mitten durch Winterthur – und das zu meiner Überraschung ganz entspannt. So zu sagen durch die Hintertür rollt man bis in die Altstadt und in die Fussgängerzone und ebenso wieder aus der Stadt raus. Und diese Erfahrung machen wir ebenfalls in Olten, Aarau, Solothurn und Biel auf dem Weg nach Estavayer-le-Lac. Tolle Routenführung durch dicht besiedeltes Gebiet und trotzdem kommt man ins Zentrum wo zum z‘ Nüne (zweites Frühstück) oder z’Viere (Nachmittagskaffee) alles bereit ist.
      Highlights sind sicher die Kilometer durch das Tösstal, am Greifensee entlang oder das Seenland. Hier macht Skaten Spass und man kann es richtig laufen lassen. Weniger toll ist es rund um Zürich/Flughafen. Man ist zwar weg von der Straße, hat diese aber ständig neben sich mit viel Verkehr. Übernachtet haben wir in Jugendherbergen oder einfachen Hotels, wobei sich vorbuchen lohnt. Sonst kann es sein das man einige Zeit für Quartiersuche einplanen muß.
      Und noch ein paar Details:
      Gesamt: 420 km, 6 Etappen von 55 – 85 km, Gepäck: Dank an Frau und Tochter :)
      Gelaufen auf Skike V07, Bereifung Black Armada, kein Platten oder Reifenschaden! (nicht mal nachpumpen war nötig), Stöcke Swix Alu mit Widia Metallspitze (täglich mit Diamantfeile nachgeschärft) Gesamtdurchschnitt 15.6 km/h (incl. Städte), auf offener Strecke 18-20km,
      Technisch leicht zu laufen, kaum steile Anstiege bzw. Abfahrten, ca. 500m Kiesweg an der Aare. Schnelles stoppen, Kanten, Bordsteine und überfahren von Geleisen sollten sicher beherrscht werden.
      Mir hat es richtig Spaß gemacht und ich kann die Strecke nur empfehlen. Wir haben das als sportlich orientierten Urlaub genossen und es blieb immer genug Zeit auch mal die hübschen Städtchen entlang der Strecke anzuschauen.
      Weitere Info: skatingland.ch hier gibt es auch eine Karte die für Details gezoomt werden kann.
      Viele Grüße
      Walter
      Hallo Walter,

      vielen Dank für deinen lebendigen Bericht!
      So interessant, wie du deine Tour schilderst, ist auch der Webauftritt zum skatingland.ch und ich habe mal ins Impressum geschaut: "SchweizMobil ist das nationale Netzwerk für den Langsamverkehr"
      Ist das nicht klasse? Ich möchte in Deutschland auch ein Netzwerk für den Langsamverkehr haben...

      Die Schweizer haben sowieso schon beeindruckt mit ihrer Verkehrsordnung für fäG (fahrzeugähnliche Geräte) bfu.ch/PDFLib/1071_42.pdf

      Zitat:
      [...]Kinder im vorschulpflichtigen Alter in
      Begleitung einer erwachsenen Person,
      schulpflichtige Kinder, Jugendliche und
      Erwachsene dürfen fäG als Verkehrsmittel
      einsetzen auf
      • für Fussgänger bestimmten Verkehrsflächen,
      • Radwegen,
      • Nebenstrassen, wenn entlang der Strasse
      Trottoirs sowie Fuss- und Radwege fehlen
      und das Verkehrsaufkommen im Zeitpunkt
      der Benutzung gering ist,
      • der Fahrbahn von Begegnungs- und
      Tempo-30-Zonen.
      [...]

      LG Andrea
      Hallo Walter,
      Ende Oktober vor drei Jahren bin ich den Rheinskate von Landquart nach Konstanz gerollt. 130 km in neun Stunden inklus. Pausen. Der Hochnebel hing in den Bergen. Feuchte, eintönige Wege, viele Bahnübergänge und Bordsteine, verkehrsreiche Abschnitte zwischen St. Margarethen und Rorschach. Wer Inliner fährt, freut sich über das flache Terrain am Rhein und See, für Crossskater gibt es für meinen Geschmack attraktivere Strecken.
      Die Mittellandtour durch die Schweiz hat dennoch ihren Reiz. Allein die Länge ist beeindruckend: 420 km, dazu die vielfältigen Landschaften. Wenn man dann noch Glück mit dem Wetter, mindestens vier bis fünf Tage Zeit und obendrein ein Begleitfahrzeug hat, dann könnte mich nichts mehr aufhalten.
      Gruß Randonneur