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Skike Abenteuer im südhessischen Regenwald oder der wirklich längste Tag des Jahres
Link zur Strecken-Karte Die Idee einen Marathon im Inlineskaten oder im Skiken auszutragen ist naheliegend. Doch wozu sind Skikes geländetauglich, wenn diese vielseitige Eigenschaft nicht im sportlichen Wettkampf eingesetzt wird? Daher die Ausschreibung als Cross-Skating-Wettkampf mit einem Anteil von ganzen 100 % an Forstwegen. Damit die Orientierung klarer in Richtung Skilanglauf und nicht zum Laufmarathon geht, wurde die Distanz mit der halben Distanz des Wasalaufes (Skilanglauf), also 45 km festgelegt. In dieser Hinsicht haben also alle Beteiligten Neuland betreten. Damit niemand von unmenschlichen Wettkampfbedingungen bei diesem Halb-Wasa sprechen konnte, war der Kurs in vier Runden unterteilt, so dass auch Teilstrecken bewältigt werden konnten. Für mich war es eine persönliche Herausforderung einen effizienten Cross-Skating Trainingsplan für einen recht kurzen Zeitraum zu entwickeln. Von den zunächst vorgesehenen zehn Wochen blieben am Ende nur fünf Wochen übrig in denen ich noch konsequenter trainieren musste. Auch unter der Voraussetzung, dass schon über mehrere Monate eine gewisse Grundlagenausdauer aufgebaut wurde und die Cross-Skating Technik mindestens zufriedenstellend beherrscht wird, ist meine Empfehlung immer noch ein zehnwöchiger Formaufbau. Meine inzwischen fast schon berüchtigten Kurz-Trainingsprogramme, die ich dann korrekter „Formzuspitzung“ nenne, setzen einem bereits vorhandenen Trainingszustand quasi nur noch ein Sahnehäubchen drauf. Dieser Halb-Wasa wurde schon seit Januar 2007 geplant. Die erste Strecke sollte landschaftlich etwas reizvoller sein, mit überwiegendem Blick auf die Mönchbruchwiesen unmittelbar südlich der Startbahn West des Frankfurter Flughafens. Was ich durch mein Lauftraining und Mountainbiking als „recht nett“ eingeschätzt hätte, musste ich aber nach mehreren Testtouren auf Skikes als unzumutbar für die breite Masse der Skiker einschätzen. Zu rau war stellenweise der Belag und loser Grobschotter erforderte teilweise kurzfristigen Höchtleistungseinsatz. Das wäre tödlich für die sinnvolle Einteilung einer Ausdauerleistung gewesen. Also galt es auf bewährtes zurückzugreifen, ohne aber die Strecke zu leicht zu gestalten. Nun kann die mittlere Rheinebene hier nicht gerade mit Höhenmetern protzen, doch ein paar leichte Hügelchen und etwas wechselnder Fahrbahnbelag sollten dem höheren Anspruch genügen. Schließlich zählt beim Cross-Skating nach 90 Minuten Belastung subjektiv jeder Kilometer doppelt. Ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich auch am 21. Juni wieder einmal bestätigen sollte. Damit jeder der Starter auch eine Chance hat, auch wirklich anzukommen, waren für die Wettkampfstrecke Wege geplant, die normalerweise überwiegend leicht zu skiken sind. Da die Strecke keine wirklichen Abfahrten enthielt, sollte sie auch kein Problem für ungebremste Cross-Skates wie z.B. owerslide darstellen. Ursprünglich wären von den 45 km nur etwa 8 km etwas anspruchsvoller gewesen. Der durchschnittliche Schwierigkeitsgrad hätte auf der Cross-Skating-Skala bei verträglichen 1,2 (maximal 2,2) gelegen. So hätte man Reserven schonen können oder sich notfalls auch wieder etwas erholen können, falls man überzockt hätte. Etwa drei bis vier Wochen vor dem 21. Juni verschlechterten sich die Streckenbedingungen immer mehr, weil durch die Trockenheit die Wege von Forstfahrzeugen, Radfahrern und Skikern (!) zunehmend „zermahlen“ wurden. Der Schwierigkeitsgrad stieg um rund 0,5 Punkte nach oben, was die Endzeit um rund 15 Minuten erhöht hätte. Erfahrungsgemäß hätten ein bis zwei kurze Regengüsse in den Tagen vor dem Wettkampf den Boden wieder so verfestigt, dass nach einem regenfreien Tag für Crossverhältnisse ein fast perfektes Rollen möglich gewesen wäre. Doch wer fest mit dem Wetter rechnet, wird ja bekanntlich oft enttäuscht. Eine Woche vor dem 21. kamen die ersehnten Regengüsse. Und sie wollten nicht aufhören! Am 19. und 20. Juni waren in der Region fast pausenlos die Feuerwehren zum Auspumpen von Kellern unterwegs. Dann kam der 21. Juni. Bis 14 Uhr schüttete es pausenlos, der Flughafen sagte zahlreiche Flüge ab, Straßen wurden gesperrt. Ich wurde nervös, ob überhaupt jemand starten würde. Da mir die Bodenverhältnisse im Wald bekannt waren, hatte ich keine größeren Bedenken ob die Strecke befahrbar sein würde. Durch eine Art Naturdrainage unter den Wegen hatte ich noch nie ernsthaft Probleme mit meinen Skikes auf dieser Runde durchzukommen. Die Strecke lag zwar an der tiefsten Stelle fast ständig einen guten Meter über dem normalen Grundwasserspiegel. Doch der benachbarte Mönchbruch sollte seinen Namen alle Ehre machen. Trotz meinem spürbar gutem Ansprechen auf mein geländeorientiertes Skike-Training sollte der 21. Juni für mich in zweierlei Hinsicht der längste Tag des Jahres werden. Um 17 Uhr sollten sich die Teilnehmer treffen. Außer mir war zunächst, als weitere Teilnehmerin, nur Sigrid aus Groß-Gerau erscheinen, die zunächst eine Runde, also 11,25 km versuchen wollte. Dies ist insofern als außergewöhnlich anzusehen, da Sigrid noch vor fünf Monaten beim Skiken nach einigen hundert Metern schon erheblich außer Atem kam und mit leichten Übungsstrecken weniger als 4 km Länge begonnen hat. Die dreifache Strecke, auch noch auf einer ihr unbekannten Cross-Strecke, ist eine ernorme Steigerung. Meine Frau Alena wollte sich uns nach ihrem Dienstschluss noch anschließen und begab sich gegen 17.30 Uhr auf die Runde. Somit waren die Frauen an diesem langen Tag klar in der Überzahl. Ich startete dann etwa 8 Minuten nach Sigrid, damit sie sich nach meinem Überholmanöver noch einige Minuten an mir orientieren konnte. Schon kurz nach dem Start spürte ich wie tief der Boden an den Stellen war, die sonst immer leicht rollten. Was ich nie vermutet hätte: Der Grundwasserspiegel war zu diesem Zeitpunkt noch am Ansteigen. Das Wetter war nicht allzu unangenehm, wenn man eine gewisse Schwüle vertragen kann. Nur rund 500 Regentropfen erinnerten uns während des Wettkampfes an die tiefhängende Bewölkung. Es sogar kurz die Sonne durch. Die gut 85 % Luftfeuchtigkeit bei 23° C legten den Vergleich mit einem kühleren Tag in den Tropen nahe. Es war nicht wirklich warm, geschwitzt wurde aber reichlich und vor allem sinnlos, da der Schweiß kaum kühlte. Nach knapp 4 Kilometern war es dann soweit. Ich überholte Sigird und hoffe nur, dass sie mich noch lange genug beobachten konnte. Mein Schnitt betrug bei einem Puls von 160 bis dahin fast 4 Minuten pro Kilometer, aber mir leuchtete ein, dass der Boden zu viel Krafteinsatz erforderte um dies auf Dauer durchzuhalten. Dann nach einer scharfen Rechtskurve traf mich das unerwartete, was ich spontan mit einem lauten „Auch du Sch...!“ kommentierte: Der Weg war über rund 15 Meter Länge überschwemmt. Eine starke Strömung von links nach rechts deutete auf eine überschwemmte Straße am Mönchbruch hin – logisch ein „Bruch“ ist ein Sumpf oder ein Überschwemmungsgebiet. Ich wusste, dass der Weg flach verlief und das Wasser nicht sehr tief sein konnte. Noch in Fahrt entschloss ich mich zu meiner ersten Wasserdurchfahrt auf Skikes und hoffte, dass die Lager sich für diesen Frevel nicht durch Arbeitsverweigerung rächen würden. Mit kräftigen Doppelstockschüben wollte ich es schnell hinter mich bringen. Das Wasser reichte bis zu den Radachsen, meine Schuhe und Beine bekamen aber eine kalte Dusche von dem Rädern ab. Erst jetzt fiel mir ein, dass der Weg so ausgewaschen sein könnte, dass sich auch tiefere Löcher auf tun konnten, doch das Wasser war klar und es kam zum Glück kein Loch in Sicht. Danach waren die Skikes, besser gesagt die Schuhe, erheblich schwerer und die Aussicht noch drei Stunden mit triefnassen Schuhen weiterzufahren, war nicht allzu berauschend. Was meinen rücksichtslosen Umgang mit den Skike-Radlagern betrifft, muss ich zugeben, dass an diesem Tag meine Sturheit über meine Vernunft gesiegt hat. Wie sich später zeigen sollte, trotzdem die beste Strategie um an diesem Tag durchzukommen. Ich drehte mich mehrmals um, damit ich sehen konnte, ob Sigrid auch so unvernünftig war und durch das Wasser skikete. Doch jedes Umdrehen während der Fahrt, war jetzt ein Sturzrisiko, denn es lagen viele Tannenzapfen und Äste auf dem Weg. Noch schlimmer waren kleinere Felder einer Art von Treibsand, die durch den drückenden Grundwasserspiegel entstanden. Der Feinschotter schwamm so auf, dann man alle paar hundert Meter regelrecht stecken blieb. So lange die Beinkraft noch ausreichte, konnte man noch einen Sturz verhindern, doch es war extrem kräftezehrend und wie würde es nach zwei oder drei Stunden sein? Bald danach hatte Sigrid eine leichten, aber fast folgenlosen Sturz, wie sie mir später berichtete. Trotzdem hatte es ihr Spaß gemacht und ich finde ihre Leistung, die sie unter diesen „Regenwaldbedingungen“ erbracht hat, erstaunlich. Als ich nach 6 km auf den ersten Abschnitt kam, der immer rau ist, fragte ich mich, wo es bisher überhaupt leicht gelaufen ist. Es war vielleicht ein Kilometer. Nach 150 m auf sehr ruppigem Schotter hatte mir der Doppelstockschub etwas zugesetzt und ich zwang mich ab dann Kräfte für die bevorstehenden drei Stunden zu sparen. Es kam ein leichter Hügel, an dem man sonst die Wahl hat zwischen mittelschwer rollendem eingebettetem Schotter und dem Radstreifen, der sonst recht leicht rollte. Jetzt aber „schwamm“ auch dieser Randstreifen etwas auf und rollte einfach nur brutal schwer. Also bleib keine Wahl als „freiwillig“ über den rauen Belag zu skiken. Inzwischen weiß ich, dass die geforderte Reaktivkraft auf solchen Abschnitten die Muskulatur sehr unkalkulierbar ermüden lässt bis hin zum plötzlichen Verlust an Kraft oder Koordination. Wie das noch ausgehen sollte, war mir ein Rätsel. Dann, nach dem Hügel, eine leichte Abfahrt... Es folgt Teil 2
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http://www.cross-skating.com Geändert von Frank Röder (25.06.2007 um 14:48 Uhr) Grund: Strecken-Link eingefügt |
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Teil 2 - Bericht Halb-Wasa
Doch von Erleichterung keine Spur, um nicht stehen zu bleiben, durften Arme und Beine keine Pause einlegen. Doch wenigstens konnte ich hier einmal mit normalem Krafteinsatz arbeiten und einen Griff zum Schlauch meines Trankrucksacks wagen. Danach wieder treibsandähnlicher Boden, sobald man einmal Tempo aufgenommen hatte, konnte dies durch Versacken in einem weichem Loch in Sekundenbruchteilen verpuffen. Nach meiner persönlichen Strategie sollte die Strecke bis km 7,5 für mich nur „Kindergeburtstag“ zum Einrollen mit geringem Schwierigkeitsgrad sein. Die mir bekannten zwei schwersten Kilometer dieser Runde kamen aber noch. Hier waren Zonen mit Grobschotter und häufiger Spurwechsel gefragt. Doch zum Glück war der Schwierigkeitsgrad hier nicht so stark erhöht, wie auf dem gesamten Rest der Runde. Die festen Schotterabschnitte waren immer noch fest, doch leider doch den starken Regen etwas ausgewaschen und daher noch etwas rauer als sonst. Als es wieder in Richtung Parkplatz ging, hielt sich die Freude auf den sonst leichten Streckenabschnitt bis dorthin in Grenzen, weil es durch die Feuchtigkeit kaum Erleichterung gab. Ich war sehr überrascht als ich nach der ersten Runde (11,25 km) feststellte, dass ich unter diesen Bedingungen sogar noch minimal schneller unterwegs war als bei meiner 35 km-Generalprobe fünf Tage zuvor. Das konnte unmöglich so weitergehen. Mein Puls bleib zwar beruhigend niedrig und wäre bequem auf diesem Niveau geblieben, doch der Kraftaufwand in diesen knapp 49 Minuten war höher als bei jeder bisher von mir erbrachten Ausdauerleistung. So spürte ich doch von der ersten Minute an ganz deutlich meine gesamte Antriebsmuskulatur. Der Schwierigkeitsgrad war an diesem Tag von durchschnittlich 1,2 auf 2,5 mit einer Spanne von 1 bis 3,5 angestiegen. Das ursprüngliche Verhältnis von 8 mittelschweren zu 37 leichten Kilometern hatte sich am 21. Juni glatt umgekehrt in 8 relativ leichte und 37 mittelschwere bis sehr schwere Kilometer. Ich durfte gar nicht daran denken und konzentriere mich auf eine saubere Technik. Das sorgte noch eine Weile für ein relativ hohes Tempo. Der überschwemmte Abschnitt sah auf der zweiten Runde anders aus. Irgendwie ruhiger, es fehlte die seitliche Strömung, im Wald stand nur das Wasser. Es war aber auch trüber, so dass der Grund nicht mehr zu sehen war. Erst beim Durchqueren bemerkte ich, dass die „Furt“ etwa doppelt so breit geworden war und in der Tat tauchten meine Skikes diesmal gute 10 cm tief in das Wasser ein. Noch schwerer als beim ersten mal waren danach meine Schuhe und es gab noch eine weitere Überraschung: Kurz nach diesem amphibischen Abschnitt lag ein Baum quer über den Weg, der vor wenigen Minuten umgestürzt sein musste. Die Strömung hatte seine Wurzeln unterspült und nach dem Überklettern des Stammes setzte ich meine Fahrt fort, von nun an mit einem skeptischen Seitenblick aus den Augenwinkeln zur der neuen vegetarischen Bedrohung. Sigrid hatte Glück gehabt, denn kurz nach ihrer Passage muss der Baum auf den Weg gestürzt sein. Inzwischen war meine Frau Alena auf der Runde unterwegs und kam mir entgegen. Meinen Zuruf, dass der Weg überschwemmt sei, hörte sie zwar, aber konnte es kaum glauben, so ungewöhnlich war eine Überschwemmung auf diesem sonst sicheren Gelände (bis zu 75 mm Niederschlag über mehrere Tage hinweg müssen ja schließlich irgendwo hin...). Ich erwischte zwar danach auf dem Weg eine bessere Ideallinie und bleib seltener stecken, musste aber feststellen, dass das steigend Grundwasser den Rollwiderstand allgemein nochmals etwas erhöht hatte. So verlor ich auf der zweiten Runde, trotz besserer Einteilung und Fahrtechnik, rund eine Minute auf die erste. Durch das relativ kühle Wetter brauchte ich meinen Trinkrucksack am Parkplatz noch nicht gegen den vorbereiteten frischen Trinkgurt auszutauschen. Dem Vorteil des bequemeren Trinkens aus einem Trinkrucksack steht allerdings der Nachteil entgegen, dass man kaum abschätzten kann wie viel Trinkreserven man noch mit sich führt. Etwa alle 50 Minuten kaute ich einen Früchteriegel um einen Teil meines Energiebedarfs zu decken. Zusätzlich war das Getränk mit Maltodextrin versetzt um meinen Fettstoffwechsel „in der Flamme der Kohlenhydrate“ ausreichend lodern zu lassen. Die dritte und die vierte Runde fuhr ich, zur Vermeindung von Monotonie und aus strategischen Gründen in umgekehrter Richtung. So kam der sehr raue Abschnitt wesentlich früher auf der Runde. Da zusätzlich einige Höhenmeter überwunden mussten, fehlte auf diesem Abschnitt wichtiger Schwung und das Durchschnitttempo sank ab. Kurioserweise konnte ich mich recht zuverlässig durcharbeiten. Ich freute mich schon auf die letzte Runde, bei der ich durch die Wahl dieser Fahrtrichtung unmittelbar vor dem Ziel vier statt nur zwei leichter rollende Kilometer vor mir hatte. Wie sich noch herausstellten sollte, keine schlechte Entscheidung. Doch auch auf der dritten Runde stieg das Wasser. Den Baum zu überklettern fiel schon etwas schwerer und 15 cm Wassertiefe bei gut 50 Metern „Flussbreite“ fand ich beim dritten mal schon nicht mehr erfrischend. Auf dieser Runde hatte ich bei der Wasserdurchfahrt meine Radlager schon abgeschrieben, zumal sie bereits etwas quietschten. Als ich in die vierte Runde ging, hielt meine Frau bereits den Trinkflaschengürtel zum Austauschen bereit, doch ich hatte noch genug Wasser im Rucksack, so dass ich meinen Kamelhöcker anbehielt. Meiner Frau genügten an diesem Tag rund 15 km für ihr sportliches Ego. Meine dritte Runde war ganze dreieinhalb Minuten langsamer als die zweite gewesen. Von Gefühl her hatte ich zwar bewusst nur rund zwei Minuten herausgenommen, doch die Ermüdung und der schwerer werdende Boden forderten wohl ihren Tribut. Unter solchen Bedingungen würde ich künftig diesen Lauf zu einem Drittel-Wasa über 30 km verkürzen. 45 km sind eindeutig zu lang, wenn es so extrem zugeht. Immer noch erträglich war der schwerste Abschnitt auf der vierte Runde, was ich nur höchster Konzentration auf einem technisch möglichst einwandfreien Cross-Skating-Stil zuschreiben kann, denn die Kraft und die Motivation gingen eindeutig in den Keller. Jetzt mit kühlen Getränken in der warmen Badewanne liegen, statt sich durch den Schlamm zu prügeln – nur ein Traum im südhessischen Dschungel... Das immer höher drückende Grundwasser machte den Boden zwischen km 39 bis 41 noch tiefer. Ich war aber überrascht keine wesentlichen Ausfallerscheinungen im Gleichgewicht oder Stil bei mir wahrzunehmen, obwohl ich inzwischen wirklich jeden Muskel deutlicher spürte als jemals zuvor beim Skiken. Ich war froh jeden Moment den Baum und die Wasserpassage gleich zum letzten Mal passieren zu müssen. Weit vor mir sah ich noch ein eine Dreiergruppe joggender Feiglinge, die sich über den Baum ins trockene Unterholz flüchtete um das Gewässer zu auf nicht-heldenhafte Wiese umgehen. Beim übersteigen des Baums war ich mir sicher, dass ich nach dem Lauf zum erstem Mal in meinem Leben Muskelkater vom Skiken zurückbehalten würde. Die Skikes und die nassen Schuhe erschienen mir beim Anheben mindestens fünf Kilo schwer. Doch auch nass kennt eine Stiegerung! Bei dieser letzten Wasserdurchfahrt war der "Bach" etwa 100 m breit und gut 20 cm tief. Dies bedeutet, dass die Skikes bis deutlich über die Sprungelenklager auf Tauchfahrt gingen und die Bugwelle bis über den oberen Stiefelrand schwappte. Okay das war’s jetzt, nur noch gut vier Kilometer zu Ziel, dachte und hoffte ich. Kurz darauf passierte ich in etwa 3 Stunden und 11 Minuten die Marathonmarke von 42,2 km. Der Vergleich mit dem Marathonlauf ist aber völlig unzulässig. Marathonlaufen tut mehr weh, obwohl man nicht so viel von seinem Körper fordert. Eine „Mauer“ im Sinne der Marathonlaufes gibt es beim Skiken und sogar beim noch härteren Cross-Skating nicht wirklich, obwohl ich vom Energieverbrauch bei km 42 bereits mehr Energie verbraucht hatte als bei einem 50 km-Lauf. Der Energieverlust war aber gerade auf den letzten drei Kilometern extrem zu spüren. Mein Puls sackte in Regionen unter 150 ab. Die Lust auf einen längeren Endspurt verging mit völlig, ich fühlte mich völlig ausgepowert und wollte nur noch eins: ANKOMMEN. Nach 3 Stunden und 24:30 Minuten erreichte ich mit ziemlich niedrigem Puls um die 150 das Ziel und schnaufte dabei trotzdem wie ein Mittelstreckenläufer. Um ein Haar hätte ich mich auf dem Boden geworfen, wie man es bei Ski-Langlaufwettkämpfen so oft sieht, doch ich konnte mich noch beherrschen. Ich konnte keinen Muskel benennen, den ich in diesem Moment nicht deutlich spürte. Doch Skiken ist nun einmal völlig anders, denn keine sieben Minuten später, saß ich bereits im Auto und fuhr nach eigenhändig Hause. Wie anders Skiken ist, spüre ich heute, exakt 24 Stunden später. Mit einer immer noch deutlich spürbaren Muskelermüdung (Kraftlosigkeit), aber doch ohne Muskelkater, schreibe ich nur diesen Bericht und freue mich bereits auf mein morgiges Skiketraining. Skiker erholen sich offenbar doch schneller als ihre Schuhe trocken... Bis bald, beim Skiken und Langstrecken-Cross-Skating, euer Frank Röder Der erste Groß-Gerauer Halbwasalauf am 21. Juni über 45 km in Zahlen Anmeldungen: 6 Teilnehmer: 3, Sigrid (11,25 km), Alena (ca. 15 km), Frank (45 km) Zeiten: Sigird: 1:22 h Alena ca. 1:25 h Frank 3:24:30 h (48:31 + 49:14 + 52:48 + 53:58), Wasseraufnahme 1,6 Liter, Kalorienaufnahme ca. 400 (Fruchtriegel & Maltodextrin-Drink), Energieverbrauch ca. 3800-3850 kcal. In den fünf Wochen davor im Durchschnitt 104 km /Woche geskiked (überwiegend cross)
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Sehr schöner Bericht!
Gratulation an euhc 3, für die jeweils bewältige Strecke und dem Wetter zu trotzen. ![]() Noch viel verwunderlicher, dass ihr keinen Muskelkater gehabt habt... Habt ihr Bilder gemacht? Mich würde mal interessieren unter welchen Extrembedingungen man noch skiken kann
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Gruß de_hippi ![]() ![]() Skikende Saarländer! http://winterpokal.mtb-news.de/images/user/68015.png |
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Hallo de_hippi!
Die Strecke sah rechtunauffällig aus. Für Fotos hätte man etwas Wasserfestes zum Knipsen dabei haben müssen. Nicht wegen der Niederschläge (fast null), sondern wegen der Gefahr im reißenden Strom zu versinken. Für den nächsten Halb-Wasa erstelle ich eine volle Streckendokumentation mit Bildern (vielleicht auch Video). Frank
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Hallo Frank,
ich habe DEINE BERICHTE aufgesaugt.... ![]() Einfach nur toll, und das in unseren Gefilden. Da ich mich kenne, muß mich entweder eine höhere Gewalt oder die " Vorsehung " mit meinem " PIPPIFAX STURZ " aus dem Rennen genommen haben und ich bin fast froh darüber, aber nur fast.... Ich habe es mal kurz nach gerechnet. Falls die 03:24 Deine Zeit in Bewegung war, also keine Pausen mitgerechnet, war das ein Schnitt von 13,2 km/h. Unter diesen Bedingungen wohl eine Wahnsinns-Zeit, was man auch am Kalorienverbrauch pro Stunde erkennen kann >>> 1.130 kcal/h ! Ich komme jetzt mit meinem " neuen entspannten " Fahrstil auf meiner TESTSTRECKE ( rund 30 km ) auf einen 11,7 Schnitt und einen Kalorienverbrauch von 750 kcal/h ! Daraufhin trainiere ich. Also, entspanntes lockeres Skiken, auch auf schwierigem Untergrund. Sobald ich wieder richtig schreiben kann, gibt es dazu noch mehr Infos von mir. |
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Hallo,
Frank, Deinem ausführlichen Bericht ist zwar kaum etwas hinzuzufügen, aber eines möchte ich doch ergänzen: Deine Sorge, ich könnte den Weg verfehlen, war völlig unbegründet. Zwar waren sämtliche Markierungen in Form von Sägespänen und Papierkonfetti vom morgendlichen Wolkenbruch komplett weggeschwemmt worden - aber als Du erst einmal vor mir liefst, übernahm der weiche Waldboden die Markierung: Deine Spuren waren sehr deutlich zu sehen! Trotzdem danke für die Rücksichtnahme! de_hippi: Ich hatte zwar einen Fotoapparat im Auto liegen, aber an Start/Ziel lohnte sich für meine Begriffe das Fotografieren nicht wirklich. Dokumentationswürdig wäre die Wasserdurchfahrt gewesen - aber da hatte ich erstens nichts dabei und zweitens war ich mit dem Durchstapfen so beschäftigt, dass ich ans Fotografieren da kaum hätte denken können! Wie immer: Wenn man ihn brauchen könnte, hat man den Apparat nicht da. Meine Radlager scheinen übrigens die Aktion auch überlebt zu haben, aber ich bin ja auch nur durch den Bach gestapft, als er noch seinen niedrigsten Wasserstand hatte. Tja, ob ich es wirklich bis zum nächsten Wasa-Lauf (1.9.) schaffe, fit genug für zwei Runden zu sein, muss sich erst noch zeigen. Da kommt der Urlaub dazwischen, ich fürchte, Norderney ist nicht das ideale Skike-Gebiet... (oder hat 'mal jemand probiert, auf bzw. zwischen Dünen zu skiken?) Also dann, schöne Grüße, raindancer |
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Schade...
Hab ich es überlesen oder seit ihr nicht erwähnenswert dreckig geworden? Also ich sehe bei Skiken im Nassen immer aus wie ne Sau. Doch ich fahre dann nur Asphalt, denn Cross klappt das bei uns bei Regen nicht. Der Boden wird direkt sumpfig und sehr batschig.
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Gruß de_hippi ![]() ![]() Skikende Saarländer! http://winterpokal.mtb-news.de/images/user/68015.png |
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Hallo de_hippi,
ich war selbst etwas überrascht, da ich ja sonst oft recht verdreckt aus dem Wald zurück komme. Der Boden war an diesem Tag so schwer, dass der Dreck am Boden kleben bleib und in der Wasserdruchfahrt wurden wir eher sauber als dreckig. Wir haben auf den Wegen dort auch sonst fast nirgends Schlamm sogar reichlich frisches Grundwasser. Seit ich Skikes habe, lerne ich diesem Wald mit seiner seltenen Bodenbeschaffenheit immer mehr schätzen. Es gibt ja wirklich kaum eine Landschaft, wo man auf einem Cross-Kurs bei Regen noch gut durchkommt. Aber es war schon ziemlich grenzwertig am 21. Juni - kein Wunder, da das ja vielerorts schon Katastrophenaram ausgelöst wurde. Frank
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Zitat:
Bei uns haste bei Regen keine Chance! Außer man weicht aufs MTB aus! Wobei manchmal stößt man an einem steilen Anstieg in einem Singletrail schon an die Grenzen...
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