Hallo chick,
ja, da sprichst du ein "ernstes" Problem der Triathleten an: Wenn sie einmal mit dem Skiken begonnen haben, wird die Zeit für das Triathlontraining etwas zu knapp oder für beinahe sinnlos befunden.
Es gibt noch keine wirklich abgesicherten Erkenntnisse oder statistisch aussagefähigen Auswertungen über die Wirkung des Skiketrainings. Die Tendenzen der Einzelberichte zeigen aber einen recht klaren Trend.
Meine Erfahrungen:
1. Skiken verbessert irgendwie die Kraftausdauer auf dem Rad. Leider aber nicht radspezifisch, weil der "runde Tritt" beim Skiken nicht geschult wird. Einheiten mit hohen Umdrehungszaheln auf dem Rad kannst du dir durch Skiken also nicht ersparen. Die muskuläre Ermüdung im mittleren Belastungsbereich bis knapp unterhalb der anaeroben Schwelle scheint subjektiv geringer zu sein, wenn man regelmäßig skiked. Beim Fahren "dicker Gänge" hält man spürbar besser durch. Je höher die Drehzahl und je höher die Leistung, desto geringer scheint dann wiederum der Gewinn durch Skiken zu sein, aber er ist nach meiner Erfahrung spürbar. Es fühlt sich denn so an, dass man, wenn man durch Skiken auf dem Rad schon nicht schneller geworden ist (wird man aber oft), ein hohes Tempo ermüdungsfreier aushalten kann.
Beim Laufen profitiert man von der notwendigerweise trainierten Stabilisierungarbeit im Sprunggelenk durch das Skiken. Auch der leichte Gewinn an Oberschenkelkraft wirkt sich subjektiv "stabilisierend" auf das Knie aus. Der Bewegungsablauf müsste also korrekter und ermüdungfreier durchgehalten werden können. Durch die extrem hohe Spitzenbelastungsfähigkeit durch Skiken, kann man ganz andere (intensivere?? bessere??) Trainingreize setzen als beim Lauf-Intervalltraining. Die Regeneration nach Skike-Intervalltraining nach meiner Erfahrung so kurz wie nach Schwimm-Intervallen.
Spezielle Einheiten auf dem Rad und beim Laufen müssen immer noch in der jeweiligen Diziplin durchgeführt werden, natürlich auch die Technikschulung. Wahrscheinlich kann man aber einige weniger davon einplanen und durch Skiken ersetzen. Manche Trainingseffekte, die man fast nur durch Skiken erzielen kann, dürften sich mittelfristig als unvermutetes Potezial für andere Ausdauersporarten herausstellen.
Man kann die maximale Sauerstoffaufnahme durch Skiken trainieren wie in kaum einer anderen Sportart (das senkt dann den Verbrauch von EPO bei so manchem Profi und macht auch das "Zeltlager" erfolgreicher, wenn auch nicht folgenreicher, wenn ihr wisst, wen ich meine...). Das dürfte sich dann vor allem beim Sprinttriathlon bemerkbar machen.
2. Langstrecke - das ist der Punkt, wo man sagen muss, auch der Kopf ist wichtig. Wer es gewohnt ist, 6 bis 8 Stunden Rad zu fahren hat, bekommt keine mentalen Probleme wenn man das dann auch mal im Wettkampf tun muss. Ob solche langen Einheiten (vor allem dem Hopbbysportler) körperlich noch etwas bringen, zweifele ich oft an.
Nach meiner Erfahrung, kann man mit einer gewissen Ausdauer knapp zwei Stunden sehr intensiv Skiken. Dann ist man wirklich "leer". Auf dem Rad oder beim Laufen tritt bei ähnlich starkem "Gasgeben" nach 90 bis 100 Minuten sogar ein regelrechter, oft unangenehmer, "Brennschluss" auf. Zwar noch kein Hungerast beim Trainierten, aber man könnte dann nur noch im Spargang weiter vorankommen. Daraus schließe ich, dass durch die Verteilung der Belastung auf viele Muskelgruppen beim Skiken auch bei höherer Belastung mehr Energie durch den Fettstoffwechsel gedeckt wird. Man muss wahrscheinlich nicht so genau wie beim Laufen/Radfahren auf den Pulsmesser schauen.
Otto Eder spricht von 200 km-Skike-Tagestouren. Auf Laufen/Radfahren umgerechnet, wären das "Trainingseinheiten" von ca. 140 bzw. 450 km. Das geht eigentlich nur, mit anteilig stärker beteiligen Fettstoffwechsel als beim Laufen/Radfahren. Und dabei wäre so eine Skike-Tour sogar noch trainingwirksamer!
Mein Fettstofwecheltraining absolviere ich beim Laufen im Pulsberich unter 142, auf dem Rad unter 138. Beim Skiken habe ich das Gefühl (!), dass ich mit Puls 145 bis 152 ähnliche Effekte erzielen kann. Gleichzeitig ist aber das Herz-Kreislauftraining und das Muskelltraining intensiver, was sehr effizient ist. Das muss aber noch belegt werden.
Ich denke, dass die Trainingswirksamkeit von mehr als 2-stündigen Skikeeinheiten deutlich abnimmt. Daher würde ich die 2 Stunden auch nicht wesentlich überschreiten. In der Wirksamkeit würde ich eine 2-Stunden Skike-Einheit mit einem Lauf von ca. 2:40 Stunden vergleichen, um einen 3-Stundenlauf zu ersetzen, wäre eine ruhige 2:15-Stunden-Skike-Einheit ein Alternative. Die intensiveren 90-Minuten-Skikeeinheiten sind eher mit Tempodauerläufen zu vergleichen, obwohl ich denke, beim Skiken braucht man die Einheiten qualitativ weniger zu diffenrenzieren als beim Laufen.
Um eine 4 Stunden Radeinheit durch Skiken zu ersetzen, würde ich ca. 2:30 bis 2:40 Stunden Skiken. Dein Hintern gewöhnt sich dabei aber ebenso wenig an den Sattel, wie dein Rücken an die Triathlonhaltung (wie auch, beide weden ja geschont!).
Aber auch beim Skiken ist nich alles rosarot. Wer beim Laufen zum Schienbeinkantensyndrom neigt, kann weitere Reizungen durch intensives Skiken bekommen. Wer zu wenig dehnt, kann durch den Kraftzuwachs im Oberschenkel den Kniescheibendruck erhöhen, was bei einer gewissen Anfälligkeit indirekt Knieprobleme verursachen kann.
Sommergrippe: Bei fiebrigen Infekten ist auch das "schonende" Skiken ein Risiko, gerade wegen der enormen Pulswerte die erreicht werden können. In der "Rekonvaleszens" kann Skiken zwar den Bewegungsapparat wieder schonend an die Belastung heranführen, eine verordnete Trainingspause zur Kreislufschonung wegen Infektionen muss aber immer ernst genommen werden.
Viel Erfolg!
Frank
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