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Alt 21.04.2008, 22:20
raindancer raindancer ist offline
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Dauergast im Cross-Skating Forum
 
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Lächeln Ein anstrengender Tag - ein tolles Rennen

Wieder einmal...

... möchte ich meine Sicht aus der Schlusslichtperspektive schildern, die ich aber diesmal als durchaus würdevoll erlebt habe!

Samstag, einen Tag vorm Rennen. Dauerregen, ohne Unterbrechung. Am Abend ruft Frank an: Land unter auf der Rennstrecke, an 5 Stellen ist der Weg nicht passierbar, es besteht keine Chance, dass das Wasser abläuft – weil’s auf den Feldern ebenso hoch steht. Außerdem haben Bauern große Erdklumpen auf dem Weg hinterlassen, die jetzt zu wunderbarem Matsch zerflossen sind. Alles viel zu riskant, das Rennen wird nochmals verschoben, soll nun eine Woche später stattfinden. – Später treffe ich Helmut bei einer Veranstaltung, er kann eine Woche später nicht, ebenso wohl Wolfgang aus dem Allgäu, für den an diesem Wochenende gerade alles zusammengepasst hat.

Sonntag früh. Kurz nach Franks Anruf am Vorabend hat der Regen aufgehört, jetzt sehen die Straßen stellenweise schon wieder trocken aus. Der Wetterbericht verheißt Sonne am Nachmittag und frühlingshafte Temperaturen. Frank hat noch nicht abgesagt. Also nichts wie los und auf dem Weg zum Bäcker die Strecke gecheckt. Bis auf eine Riesenpfütze ist das Wasser abgelaufen, Sandböden haben doch auch ihr Gutes! Allerdings ist ein rund 500 m langer Abschnitt wirklich sehr verdreckt. Hier muss wohl das ganze Wasser gestanden haben, angeschwemmte Waldpartikel kennzeichnen die ehemaligen Wasserstände. Aber das kann man doch reinigen. Mit einem Schneeschieber müsste man doch…. (An anderen Stellen hilft schwungvolles Durchfahren, das Wasser weitgehend im Feld zu verteilen.)

Nach dem Frühstück: Frank hat DOCH abgesagt, schade eigentlich. Ich rufe ihn an, weil ich mittlerweile zu anderen Erkenntnissen gelangt bin. Ich biete meine Putzunterstützung an, wenig später kommt das „Kommando zurück“, das Rennen soll doch stattfinden. Wegen der Gewerbeschau komme ich nur noch auf Schleichwegen zum Ort der größten Verschmutzung – dafür diesmal ausgerüstet mit Gummistiefeln, Schneeschieber und Besen. Zu Fuß sieht’s dann allerdings doch schlimmer aus als am Morgen vom Auto aus. Egal, da muss ich jetzt durch. Drainagen für die größten Pfützen lassen selbige ablaufen. Ein Alu-Schneeschieber ist ein tolles Gerät, man kann wirklich große Matschmengen aufladen – aber man kann sie nicht mehr zur Seite heben, weil sie so schwer sind. Also dann doch nur schieben oder immer nur kleine Häufchen weghieven. (Nächstes Mal nehme ich Ohrenschützer mit!) Nachdem der gröbste Dreck weggeschoben bzw. losgekratzt ist, kommt der Besen dran. Einige Zeitgenossen, die mit Fahrrad oder Auto unterwegs sind, sind schon sehr verwundert! Zwischendrin geht’s immer wieder zur Hauptpfütze, der Graben muss vertieft werden. Aber die Brühe läuft ab. Einige andere Pfützen lassen sich mit dem Besen zur Seite entleeren. So, jetzt nur noch auf 500 m Weglänge Steine und Waldkrümelzeug (Zapfen, Nadeln, Holzstücke) beiseite räumen, damit Frank am Nachmittag, wenn alles abgetrocknet ist, wirklich nur noch die Feinsandauflage wegkehren muss. Bisweilen komme ich mir vor wie Straßenfeger Beppo in „Momo“ – aber sein Prinzip funktioniert auch hier! Nach gut zwei Stunden bin ich fertig – in jeder Hinsicht – aber auch zufrieden. Geht doch, sag’ ich doch! (Klarer Fall von Dickkopf, ich geb’s ja zu.) Für den Rest des Tages fühlt sich mein rechter Arm nach einer Mischung aus Muskelkater und Zerrung an, und ich bekomme schon Bedenken, ob ich überhaupt skiken kann.

Trotzdem komme ich natürlich zum Rennen, probieren will ich’s wenigstens. Es sind weniger Teilnehmer als ich erwartet hatte, allein drei können wegen Krankheit leider nicht mitfahren. Meine Pulsuhr ist gut vorbereitet, sie soll mich zwingen, kontinuierlich zwischen 170 und 175 zu fahren. Sonst schaffe ich es nämlich nicht, mein Tempo unter Kontrolle zu halten. Miriam soll wieder Fotos aufnehmen und nebenbei die Videokamera bedienen. Leider ist der Akku im Fotoapparat leer! Zu filmen braucht sie auch nicht, weil Andreas zwar zu krank ist zum Mitfahren, aber wenigstens zum Zuschauen, Anfeuern, Filmen und Fotografieren gekommen ist. Von weither angereist ist Wolfgang aus dem Allgäu (wolleweb), der nur für das Rennen den weiten Weg auf sich genommen hat.

Schon kurz nach dem Start sind die Männer weit voraus, wenigstens Wolfgang M. noch in Sichtweite, Alena ist direkt hinter mir. Meiner Pulsuhr nach zu urteilen bin ich entweder im Tiefschlaf oder tot. Diese technische Instanz zur Kontrolle des Tempos hat schon mal versagt. Also fahre ich nach Puste. Nach einem Kilometer stelle ich erschrocken fest, dass noch nicht einmal vier Minuten vergangen sind. Das kann nicht gutgehen! An Ostern bin ich mit Christian die halbe Strecke geskiket, war im Schnitt in 4’13“ pro km unterwegs und hinterher so fertig, dass ich keinen weiteren Meter geschafft hätte. Ich versuche also, ein bisschen Tempo rauszunehmen, aber es gelingt mir kaum. Dafür übersehe und überfahre ich den Wendepunkt glatt und fahre von nun an hinter Alena. Sie fährt im selben Tempo weiter, beim Fahren gegen den Wind hilft mir ihr Windschatten sehr. Brückenabfahrten sind mein Alptraum, meine Sprunggelenke rebellieren dagegen oft, und so falle ich jedes Mal hinter Alena zurück und muss sie wieder einholen. Die schnellen Männer kommen uns wieder entgegen, Frank jedes Mal vorne, kurz dahinter Wolfgang aus dem Allgäu, Helmut und Christian in wechselnder Reihenfolge.

Die Wende am Start- und Zielpunkt nach 7,5 km, wir haben zu meiner Überraschung nur etwa 28 Minuten gebraucht. Hätte ich nicht mein „Zugpferd“, würde ich jetzt glatt aufhören. Aber das geht jetzt nicht. Ab und zu gibt meine Pulsuhr doch ein Lebenszeichen von sich, die angezeigten 183 dürften stimmen (Maximalpuls 189). Nach weiteren zwei Kilometern habe ich ernste Zweifel, ob ich den Rest des Weges schaffe. Mein Kopf glüht, ich werfe meinen Helm ins Grüne (das hätte ich besser am „bewachten“ 7,5-km-Wendepunkt gemacht, denn hinterher ist er weg). Nur Alena nicht verlieren! Doch ich kann immer wieder aufschließen, wir nähern uns sogar Wolfgang M. an. Wie schnell will sie denn noch fahren? Die letzte Brückenüberquerung, beinahe hätte sie mich abgehängt. Aber auch nur beinahe – ich komme wieder näher. Aber dann, auf den letzten 500 m startet sie durch zum Endspurt, da kann ich nicht mehr mithalten. Egal: Dafür, dass ich unter 70 Minuten zu bleiben gehofft hatte, bin ich mit meinen 57’40“ mehr als zufrieden. Ich bin sogar richtig stolz und habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, sportlich „erfolgreich“ gewesen zu sein. Jetzt spüre ich auch, dass auch in meinem Alter das Trainieren noch zu spürbaren Fortschritten führen kann.

Einen Tag später: Ich spüre Muskeln, von deren Existenz ich bislang gar nichts wusste. Ob das vom Skiken oder vom Matsch-Räumen kommt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Aber es ist nicht so schlimm, dass es mich davon abhalten könnte, am Nachmittag mit Christian eine Runde skiken zu gehen…

Bis zum nächsten Mal!
Sigrid
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