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Alt 28.02.2008, 08:19
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Mirko Fuchs Mirko Fuchs ist offline
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Cross-Skater
 
Registriert seit: 15.07.2007
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Standard Gelenkschmerzen Teil 1

Hallo Gelenkgeschädigte,

ich bin verwundert, dass sich in der Cross-Skating-Gemeinde bisher so wenige mit Schulter- und Ellbogenproblemen gemeldet haben (spricht schon mal für diese Bewegungsart). Cross-Skating ist wie Nordic-Walking eine fantastische Ausdauersportart und ich bin schon einige Jahre in diesem Bereich als Berufstrainer und Sporttherapeut unterwegs.
Auf diesem Weg konnte ich die letzten Jahre viele Erfahrungen und Daten in Bezug auf Überlastungsschäden im Sprunggelenk, Knie, Schulter und Ellbogen sammeln, da ein Großteil der von uns geschulten Läufer/Fahrer regelmäßig und dauerhaft in unseren Laufgruppen mitlaufen, was das Erstellen von Langzeitprofilen stark vereinfacht.

Parallel hierzu kommen mir im physiotherapeutischen Bereich vermehrt Freizeit- und semiprofessionelle Sportler unter die Finger, welche wegen Überlastungsschäden ihren geliebten Sport aufgeben müssen oder zu langen Zwangspausen verdonnert werden.
Diese neue Art der Fortbewegung bringt leider außer viel Bewegungsfreude häufig auch einige Probleme mit sich.

Ein Ausdauertraining lebt ja von tausenden Wiederholungen über einen langen Zeitraum. Hier summieren sich natürlich Belastungsspitzen sowie durch ungünstige Hebelverhältnisse erzeugte Kräfte im Gelenk, Entzündungen und Schleimbeutelreizungen sowie Sehnenansatzreizungen sind hier eine häufige Folge.
Die Ursache dieser Überlastungen läßt sich sicherlich auch nicht an einem Punkt festmachen, die Beseitigung oder Veränderung eines Auslösers bringt meistens(leider) auch keine sofortige Besserung. Grundlage für eine effektive Prävention oder Behandlung ist aber das (Er)kennen der auslösenden Faktoren.
Ein Teil der zu Überdenkenden Auslöser wurde ja schon genannt. Hierzu liefere ich hier noch meine (sicherlich subjektive) Bewertung, ergänzt durch die Erfahrung aus der Technikoptimierung des Nordic Walkings und Erkenntnisse der Sportwissenschaft.

Punkt 1 (sicherlich der wichtigste Punkt) - die Technik/Armhaltung, wird sehr gerne von den Biathleten aus dem Leistungssport bei der Bewegung im Schnee kopiert.
Der Stock wird viel zu steil aufgesetzt, d.h. anstatt einen Schub nach vorne zu erzeugen, drückt sich der Sportler verstärkt nach oben (Anfänger stützen sich auch gerne aus Unsicherheit auf dem Stock ab/kann sehr schnell in die Hose gehen!), ein Großteil der Bodenreaktionskräfte schießt ins Hand-, Ellbogen- und Schultergelenk, das schwächste Segment gibt dann notgedrungen nach.

Hier kommen wir dann zum 2. Punkt, dem Material (häufigster Sündenbock für Bewegungsprobleme oder Schmerzen , 'das Material taugt nichts...')
Ohne mich jetzt an den Diskussionen um die ideale oder subjektiv als optimal bezeichnete Stocklänge beteiligen zu wollen, kann man hier am ehesten von den Beschwerdebildern aus der Massenbewegung Nordic Walking lernen.

Mehr als die Hälfte der von mir beobachteten 'NW-Spätfolgen' waren auf zu lange Stöcke zurückzuführen. Ist der Stock zu lang, kommt es immer zu 3 Ausweichreaktionen:
Der Arm wird stärker angewinkelt, die Umlenkung der Kraft über den Ellbogen wird ungünstiger, der Stockwinkel wird steiler und beim Vorbeischieben am Körper wird sich über den Stock Stock gedrückt bzw. die Schulter hochgezogen, v.a. in Phasen der Ermüdung. Das Körpergewicht hängt im instabilen Schultergürtel, die Folge ist eine temporäre Schulterdachverengung, auf Dauer kann die bekannte 'Schwimmerschulter' entstehen als Pendant zum 'Tennisellbogen'. Diese Bezeichnungen beschreiben ja nur ein verstärktes Auftreten der bekannten Symptome in diesen Sportarten, natürlich kann ich auch durch eine falsche Arm-/Handhaltung am PC die gleichen oder ähnliche Schmerzen bekommen, ohne jemals einen Schläger in der Hand zu haben!

Durch diese Diagnosen können die Ärzte ihren Patienten was handfestes liefern, auch wenn sie größtenteils weder die Ursache ermitteln, noch einen (Be)handlungsvorschlag liefern, außer Entzündungshemmer zu verordnen(sicherlich in Akutphasen auch mal angebracht), Physikalische Therapien verschreiben, welche gut abgerechnet werden können (Sorry, aber da wird teilweise mit Mitgliedsgeldern der Kassen umgegangen, dass mir übel werden könnte, aber das ist ein anderes Thema) oder operieren (schaun wir mal rein ins Gelenk, da finden wir bestimmt was...). Viel erfolgreicher wäre in den meisten Fällen die einfache Anwendung der seit Jahrzehnten bewährten PECH-Formel (PAUSE - EIS - COMPRESSION - HOCHLAGERN) und nach abklingen der Beschwerden ein sanftes herangehen an die geliebte Sportart, das Überdenken körperlicher Defizite (Gewicht, Haltung, Koordination und Kraft) und ein gezieltes Schaffen von Grundvoraussetzungen für eine schmerzfreie Bewegung. Hierfür benötigt man aber viel Zeit, Motivation und auch Fingerspitzengefühl, und diese 3 Punkte gibts leider nicht in Tablettenform. Entschuldigt bitte diesen leicht bissigen Ansatz, aber die Auswirkungen unserer Gesundheitspolitik, gepaart mit viel unvernünftigem Verhalten, begegnen mir leider jeden Tag, und das läßt sich auch nicht mehr schön reden.

Wenn ich gerade beim Kritisieren bin, hier noch ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt bezüglich der Stocklänge beim Nordic Walking, da sich im Cross-Skating-Forum auch einige gewerbliche Anbieter tummeln, die hier getroffene Aussagen noch stärker abwägen sollten als private Freizeitsportler, da sie alleine durch ihr überzeugenderes Auftreten auch mehr Verantwortung gegenüber 'Normalsterblichen' aufbringen sollten.

Den Schlüsselfaktor Stocklänge/langer Arm haben die meisten großen Nordic Walking Verbände schon lange erkannt und ausführlich dokumentiert bzw. durch eine Anpassung/Vereinheitlichung ihrer Aussagen darauf reagiert. Umso mehr kam ich auf der Web-Seite eines professionell arbeitenden Forummitglieds ins Kopfschütteln, als ich immer noch die NW-Stockformel 'Körpergrößex 0,68 bzw. 90-Grad Winkel' als Richtwert fand. Das ist ungefähr so, wie wenn ich einem Rückengeschädigten zur Unterstützung der Rückenmuskulatur Situps mit eingeklemmten Füßen und einem Medizinball über dem Kopf empfehlen würde. Nicht alles, was neu ist, ist auch gut - aber solch klar nachgewiese Erkenntnisse der Sportwissenschaft sollte man zum Wohl seiner Kunden nicht ignorieren, auch wenn dadurch das Anpassen und der Verkauf von Stöcken an eine individuelle Beratung und Gangbildbeurteilung gebunden ist, was mehr Zeit und Grundlagenwissen voraussetzt!

Auch ein kleines 'Sorry' an Klaus, dass ich hiermit eine völlig gegenteilige Darstellung als mögliche Ursache für Überlastungsschäden beim Skiken anführe, aber wenn man sich mal intensiv mit den biomechanischen Grundlagen (Hebel, Kräfte, Drehmomente) auseinandersetzt, wird einem schnell klar, dass durch die langen Stöcke zwar ein längerer Beschleunigungsweg entsteht und somit durch erhöhten Krafteinsatz es auch zu eine Geschwindigkeitserhöhung kommt. Dies kann aber selten muskulär stabilisiert werden, individuelle Ausnahmen natürlich ausgenommen. Trotzdem schätze ich sehr Deine durch Pulswerte untermauerten Belastungstests mit den Skikes. Es bleibt zu wünschen, dass viel mehr Freizeitsportler in Zukunft ihre Herzfrequenz als ausschlaggebende Richtgröße zur Bestimmung einer sinnvollen Belastung nutzen lernen.

...der Platz wird etwas knapp, deswegen gehts gleich weiter unter Teil 2

Mirko Fuchs
Sporttherapeut
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www.mfsport.de
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