Hallo Conni, hallo Stefan,
die Sportart die auf Luftreifenskates (derzeit überwiegend Skikes) und mit Stöcken betrieben wird hat ganz eigene Voraussetzungen. Der Vergleich mit dem Skilanglauf liegt zwar nah, aber sportlich betrachtet gibt es erhebliche Unterschiede, die leider zu häufig "wegvereinfacht" werden.
Allein Räder verhalten sich schon anders als "Bretter" und Luftreifen verhalten sich deutlich anders als Kunststoffrollen. Dieser kleine Unterschied kann erheblich sein. Auch erschließt man ganz andere Trainingsgebiete und Interessentegruppen.
Ich habe als aktiver Triathlet und professioneller Trainer die Entwicklung der Deutschen Triathlon Union (DTU) von Anfang an miterleben dürfen. Ich zweifele das Engagement und die Kompetenzen der Einzelnen gar nicht an, aber auch hier war die Verbandsgründung und die daraus erwachsenden Konsequenzen in vielen Bereichen unbeabsichtigt kontraproduktiv. Allein die Professionalisierung (ein Verband mit Sponsoren von Anfang an!) untergrub die Glaubwürdigkeit mancher Entscheidung. Wenn bestimmte Entscheidungen nicht-transparent für die Öffentlichkeit getroffen wurden, kam schnell das Gerücht der Vetternwirtschaft auf. Auch gab es "alte Strukturen" (neudeutsch: Seilschaften), die von Anfang an die Fäden in diesem Verband zogen. Die Verbandsarbeit war überwiegend konstruktiv, muss ich wohlwollend anmerken.
Bedenkt auch, dass wir für das Cross-Skating gar nicht so leicht an Sponsoren kommen können - mit allen Vor- und Nachteilen. Der Speedskatingsport wurde extrem schnell professionalisiert, weil die teuren Rollen von Jedermann schnell verschlissen werden. Skigebiete werden wir als Sponsor kaum finden (Norddeutschland ist beim Cross-Skating stark im Kommen!), weil wir sie nicht brauchen. Das hat auch Vorteile, man wirkt glaubwürdiger ohne Sponsoren.
Daher ist auch klar, dass ein Verband nicht markengebunden sein darf, es geht ja um den Sport, nicht um eine Marke.
Eine weitere Erfahrung mit der DTU: Ich empfand es als allerhöchst anmaßend, dass der Verband sich prophylaktisch als zuständig für alle Ausdauermehrkampfsportarten darstellte - gerüstet für die ferne Zukunft, mögen da kreative Köpfe erfinden, was sie wollen, die DTU kontrolliert das dann auf jeden Fall.
Wenn ich jetzt höre, dass sich ein Verband für alles zuständig fühlt das mit Stöcken betrieben wird, stellen sich bei mir unwillkürlich die Nackenhaare auf und ich bin alarmbereit.
Thema Versicherung: Wer in einem Sportverein Mitglied ist, ist auch in dem Rahmen von Sportaktivitäten versichert, welche diese angpriesenen speziellen Versicherungen abdecken sollen. Als Subsidiär-Versicherungen (oder so ähnlich), greifen sie in der Praxis fast nie und kosten daher effektiv fast nichts. Auch hier hat die DTU die Versicherung als Argument für recht teure Tageslizenzen vorgeschoben. Die Tageslizenz kostete den Triathlonanfänger das zehnfache dessen, was der Verband an die Versicherung abgeführt hat. Also auch wenn es wichtig klingt, lasse man das Thema Versicherung als Argument bitte vom Tisch.
Ich sehe die Notwendigkeit eines Verbandes absolut ein, aber wenn sich bei mir auf Grund meiner Erfahrungen innerer Widerstand regt, hemmt das meine Begeisterung dafür erheblich.
Etablierte Verbände haben eindeutig mehr Erfahrung als Verbands-Anfänger, aber in einer neuen Sportart sollte man die Kreativität und natürliche Entwicklungen nicht zu früh versuchen zu steuern. Die tun Verbande aber automatisch immer, besonders erfahrene Verbände die schon wissen wie es läuft oder dies glauben. Daher verstehe ich Connis Verbandsallergie durchaus.
Ein Verband sollte doch besser immer völlig neu entstehen und sollte seine dadurch auftretenden Startprobleme und Kinderkrankheiten selbst auskurieren. Ich halte es für einen Fehler, wenn jemand aus einem anderen Verband sich "nebenbei" um einen neuen Verband kümmert.
Bleiben wir dann das 5. Rad am Wagen oder würde der Sport aus Gründen des rationelleren Arbeitens zu sehr dem bestehenden Verbänden angeglichen werden???
Zu welchen kuriosen Produkten eine übereilte Übernahme vom Bekanntem führen kann, könnt ihr auf der sonst sehr guten Skike-Seite nachlesen. Das Wettkampf-Regelwerk, das dort allzu offensichtlich von Skiveranstaltungen übernommen wurde, bremst erheblich den Willen von Veranstaltern, nach diesem Regelwerk Events auszutragen. Sofern es überhaupt möglich ist solche Veranstaltungen überhaupt durchzuführen.
Bei unseren Marathon- und Halbmarathonveranstaltungen hätten wir etwa eine Teilnehmerkapazität von 100 Aktiven. Das ist nicht viel, aber dahin zu gelangen wäre schon ein erstrebenswertes Ziel, nur nach diesem Regelwerk unmöglich.
Es spricht doch nichts dagegen, dass aktive Skilangläufer ohne Schnee in der autonomen Sportart Cross-Skating trainieren oder Rennen fahren, statt in der "Unterabteilung Cross-Skating" des Skiverbandes.
Triathleten, die Radrennen fahren gehen auch bei einem anderen Verband fremd, obwohl Radfahren Bestandteil des Triathlons ist.
Wenn eine Sportart zu lange als Anhängsel einer anderen mitläuft gibt es ohnehin früher oder später den Drang zur Abspaltung. Wenn aber engagierte (auch unerfahrene) sich von Anfang an mit vollem Engagement, quasi hautberuflich statt im Nebenjob, mit ihrem neuen Kind befassen, wird schon etwas dabei heraus kommen. Mancher "Führungswechsel" wird sich dabei in den ersten Jahren als demokratische Entwikcklung ganz von selbst ergeben.
Die Frage "Wem gehört der Mond?" wurde zum Glück beantwortet, bevor Menschen dort waren. Hätte das Argument gegolten, dass die Russen einen Anspruch haben, weil sie als erste im All waren, hätten vielleicht Schweizer entgegnet, dass der Mondspaziergang nicht ohne Zustimmung des ältesten Wandervereins der Welt stattfinden dürfe (vielleicht ist der tatsächlich in der Schweiz?).
Die Argumente "Wir waren die Ersten", "Wir sind in der Überzahl", "Wir haben die besseren Strukturen und Beziehungen" oder "Wir haben mehr Geld" sollten bei der Gründung eines Cross-Skating-Verbandes überhaupt keine Gründe spielen, sondern allein dei Frage: Was bringt den Sport voran und zwar für die breite Masse?
Wenn es jetzt schon für notwendig gehalten wird, schnellstmöglich einen Verband zu gründen, bin ich anderer Meinung. Auch jetzt schnell zu handeln, bevor es andere tun, halte ich nicht für richtig. Ich bin sicher, ein überstürzt gegründeter Verband würde nicht akzeptiert werden (ich tendiere derzeit auch dazu).
Wenn das Jahr 2008 durch eine Anhäufung zahlreicher "wilder Veranstaltungen" glänzt, zeigt das einen Boom der Sportart, der vielleicht in ca. 12 Monaten im positiven Sinne "gesteuert" werden sollte. Ohne einen Beleg eines ernsthaften Interesses der breiten Basis an z.B. Wettkämpfen läuft alles doch nur auf eine theoretische Konstuktion hinaus, die weder Sinn noch Basis hat. Wenn sich das dann noch Verband nennt, macht er sich mit seinem Übereifer womöglich lächerlich.
Wie wäre es mit einem Arbeitskreis zum Sammeln aller Interessen und Ideen? Danach sollte man nicht zu schnell, aber zielgerichet an die Arbeit gehen.
Frank
Geändert von Frank Röder (02.02.2008 um 21:36 Uhr).
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